Monatsarchiv für Juli 2009

 
 

Die Bibliothek von Slavoj Žižek: “the kind of ideal zwangsneurotische constellation”

“Ich denke”, sagt Žižek, “dass es schädlich ist, wenn man zu stark in Gruppen eingebunden ist. Die direkte Konfrontation mit der Kritik anderer ist das Ende jeder Theorie. Ich glaube, dass es auf eine gewisse Art notwendig ist, diese verzweifelte Geste zu machen und zu sagen: Es ist mir egal, ich isoliere mich, es kümmert mich nicht, was andere Leute über mich denken. Denn wird eine Theorie, die man gerade entwickelt, zu früh mit möglichen Einwänden konfrontiert, kann es passieren, dass sie schon im Ansatz abgetrieben wird. Und hier zumindest bin ich gegen Abtreibung.”

“Slavoj Žižek – Liebe dein Symptom wie Dich selbst!” Dokumentarfilm von Claudia Willke von 1998, Ausschnitt aus Teil 5, ab 0:55 Minuten. Wer nur wenig Zeit hat, sollte sich wenigstens diesen letzten Teil ansehen. Dort lässt Žižek das dokumentierende Team dann doch noch in seine Bibliothek eintreten und erzählt dabei (ab 3:00 Minuten), wie er seiner Frau nachweisen konnte, dass und wie genau sie seine Bücher angefasst hat.

Grossartig ist die leidenschaftliche Dringlichkeit, mit der Žižek seine Reden ausführt. Es sollten mehr Menschen schwitzen, wenn sie formulieren.

Teil 1 / Teil 2 / Teil 3 / Teil 4 / Teil 5

Journalismus im Hause Ringier

Im Ringier “Code of Conduct” (pdf, 71 kb), einer Richtlinie, die “für die Ringier-Mitarbeitenden aller Länder verbindlich” ist, steht auf Seite 10:

Screenshot ringier.ch 1
Bild: Screenshot ringier.ch

So weit, so schön. Nun kommen wir zur Titelgeschichte vom 30. Juni 2009 der Ringier-Boulevardzeitung Blick:
Screenshot blick.ch
Bild: Screenshot blick.ch

Wie 20min.ch mit einem Blick auf die Website des Arbeitgebers festgestellt hat, handelt es sich bei der Person nicht um eine Person des öffentlichen Lebens:

Die junge Frau arbeitet als Sekretärin auf der Sozialbehörde einer Gemeinde. «Darf eine Schweizer Amtsperson sich so im Internet zeigen?», titelte die Zeitung am Dienstag und schrieb der jungen Frau fälschlicherweise die Funktion einer Amtsleiterin zu — obwohl ein Blick auf die Website genügt hätte.

Zudem stellt sich die Gegenfrage: “Darf sich eine ‘Blick’-Autorin so zeigen?“.

Bewerbung als Blick-Chefredaktor

Sehr geehrte Herren der Ringier-Führungsetage

Die letzten Jahre als Blick-Leser waren eine Zumutung. Eigentlich wissen Sie das selbst, doch zugeben werden Sie das nur ungern, verständlich, es zeigt nur zu unschön die eigene Führungsschwäche, die Borniertheit und den Dogmatismus auf, mit dem an einem erfolglosen, moralistischen Kurs festgehalten wurde. Der grosse Bruder in Deutschland, die Bild-Zeitung, wird von vielen teilweise zurecht gehasst. Doch sie hat, und das wird niemand in Abrede stellen wollen, noch immer Macht, richtig viel Macht, denn sie beeinflusst nicht nur ihre Leser, sondern auch alle anderen Medien, die wiederum ihre Leser beeinflussen. Warum? Es ist ein Leitmedium.


Der Blick im Jahr 2007 (Bild: CC Flickr andreasmarx)

Der Blick ist das schon lange nicht mehr. Ich kenne niemanden, der den Blick regelmässig liest. Warum auch? Es ist ein ältliches, ein langweiliges Blatt geworden, das pflichtgemäss etwas Sex & Crime abspult und brav jede bescheuerte Miss- und Misterwahl rapportiert. Doch was höre ich hier (sf.tv, Video, 3:26 Minuten)?

Wenn man mit dem Blick zum alten Erfolg zurückkehren möchte, dann ist es … (?) in dem der Blick auch wirklich einzigartig positioniert ist, und das ist er, denn es gibt keine andere Boulevardzeitung. Es gibt viele Gratiszeitungen, es gibt viele Regionalzeitungen, aber es gibt nur eine Boulevardzeitung, und das soll der Blick sein.

Was auch immer der publizistisch verantwortliche Marc Walder hier gesagt hat, die Journalisten des Schweizer Fernsehens haben offenbar daraus entnommen, dass er der Meinung ist, “die Leser goutieren den konsequenten Boulevard-Stil des Blick“, wie es im das Zitat einführenden Satz heisst.


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“Qualitätsjournalismus” mit Newsnetz (5)

Zum 20. Geburtstag der Loveparade liefert uns tagesanzeiger.ch die neusten Erkenntnisse aus der Rubrik “Wissen”:

Screenshot Tagesanzeiger.ch
Bild: Screenshot tagesanzeiger.ch, Bildunterschrift Bild 8/8

Nach eigener Aussage ist Newsnetz, der Online-Auftritt von Schweizer Tageszeitungen wie Tages-Anzeiger, Bund, Berner Zeitung oder Basler Zeitung “der schnellste Qualitätsjournalismus im Netz”. Via Bobby auf medienspiegel.ch.

“Qualitätsjournalismus” mit Newsnetz (4)

Wer im Internet surft, sieht sie überall: In die Website eingebundene Videos von youtube.com, dem grossen Videoportal, das Google gehört. Wer bei YouTube ein Video hochlädt, kann selbst entscheiden, ob er die Möglichkeit des Einbettens des Videos zulassen möchte oder nicht.

Die “Bildstrecken”-Bearbeiter von Newsnetz kümmern sich nicht darum. Sie finden Videos auf youtube.com, speichern sie lokal ab und laden sie (in der Regel mit Qualitätseinbussen) neu hoch auf tagesanzeiger.ch. Unter den Videos platziert tagesanzeiger.ch folgende Angabe zum Copyright dieser Inhalte:

Screenshot tagesanzeiger.ch
Bild: Screenshot tagesanzeiger.ch

Wer sich davon überzeugen will, wie etwas unter eigenes Copyright gestellt werden kann, von dem nur die Videobeschreibung eine Eigenleistung ist, der sollte sich die 12-teilige Videostrecke “Eine Karriere in Videos” ansehen, die nach dem Tod von Michael Jackson erstellt wurde.

Ausnahmslos alle dieser Videos stammen von der Website youtube.com. Hier die Auflistung im Detail:

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Video 4/12 (Einbetten auf Anfrage deaktiviert)
Video 5/12 (Einbetten möglich)
Video 6/12 (Einbetten auf Anfrage deaktiviert)
Video 7/12 (Einbetten möglich)
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Video 9/12 (Einbetten möglich)
Video 10/12 (Einbetten auf Anfrage deaktiviert)
Video 11/12 (Einbetten möglich)
Video 12/12 (Einbetten möglich)


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