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	<title>ronniegrob.com &#187; Gedruckt</title>
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	<description>Das private Weblog von Ronnie Grob</description>
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		<title>Über den ständigen Ruf nach mehr Bildung</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Feb 2010 11:10:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronnie Grob</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedruckt]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen,
aber keine Bildung den natürlichen Verstand.
Arthur Schopenhauer

Es gibt eine politische Forderung, die breite Unterstützung findet und kaum je in Zweifel gezogen wird. Die Sätze dazu lauten so: “Unser vielseitiges und hochwertiges Bildungsangebot ist das Öl und Gold der Schweiz.” (Christine Egerszegi-Obrist, FDP) - “Wir brauchen keine ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small>Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen,<br />
aber keine Bildung den natürlichen Verstand.<br />
Arthur Schopenhauer</small></p>
<p>Es gibt eine politische Forderung, die breite Unterstützung findet und kaum je in Zweifel gezogen wird. Die Sätze dazu lauten so: “Unser vielseitiges und hochwertiges Bildungsangebot ist das Öl und Gold der Schweiz.” (Christine Egerszegi-Obrist, FDP) &#8211; “Wir brauchen keine Mythen und keine Mauern um unser Land. Wir brauchen mehr Bildung.” (Kathy Ricklin, CVP) &#8211; “Bildung ist unser wichtigster Rohstoff.” (Jacqueline Fehr, SPS) &#8211; &#8220;Wohlstand für alle heißt heute und morgen: Bildung für alle.” (Angela Merkel, CDU).</p>
<p><img alt="" src="http://farm5.static.flickr.com/4046/4203335311_bc86998f61.jpg" class="alignnone" width="500" height="333" /><br />
<small>
<div xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" about="http://www.flickr.com/photos/pokpok/4203335311/"><a rel="cc:attributionURL" href="http://www.flickr.com/photos/pokpok/">http://www.flickr.com/photos/pokpok/</a> / <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/">CC BY-SA 2.0</a></div>
<p></small></p>
<p><span id="more-3809"></span>Mangelnde Bildung wird mit Problemen verknüpft. So äusserte sich der langjährige Integrationsbeauftragte des Kantons Basel-Stadt, Thomas Kessler (GPS), 2001 im “Beobachter” wie folgt: “Nach allen Erkenntnissen der Kriminologie ist der typische Gewaltkriminelle ein junger Mann mit mangelhafter Bildung und entsprechend schlechten Berufsaussichten”.</p>
<p>Führt also mehr Bildung zu weniger gesellschaftlichen Problemen? Wie schön wäre es, wenn es keine Kinder mehr gäbe, die den Unterricht stören oder andere Kinder mobben. Keine Jugendliche, die öfters vor Gericht stehen als in der Schule auftauchen. Keine Ehemänner, die ihre Ehefrauen in der Wohnung einsperren. Keine religiösen Fanatiker, die Terroranschläge verüben.</p>
<p>Doch neusten Informationen gemäss kommen einige der verhaltensauffälligsten und den geordneten Schulbetrieb am meisten gefährdenden Schulkinder heute aus gut bis sehr gut gebildeten Familien, die ihren Sprösslingen viel Zeit und Aufmerksamkeit zuteil kommen lassen. Michael Winterhoff, Kinderpsychiater aus Bonn und Autor des seit Wochen die deutschen Bestsellerlisten besetzenden Buch “Warum unsere Kinder Tyrannen werden”, sagte der Zeitschrift “Cicero”: “In meiner kinderpsychatrischen Praxis habe ich es meist mit intakten Familien zu tun, mit liebenden Eltern, mit Geschwisterkindern. Die Verhaltensauffälligkeiten reichen hinein in die Mitte der Gesellschaft, auch und gerade im sogenannten bürgerlichen Milieu.”</p>
<p>Der russische Schriftsteller Leo Tolstoj lehnte einen obligatorischen Schulbesuch ab &#8211; die Kinder sollten freiwillig zur Schule kommen und weder von Strafe noch Ermunterung manipuliert werden. Und so ist es: Kinder sind wissbegierig &#8211; das wird jeder bestätigen können, der schon mal mit einem vierjährigen Kind zu tun hatte. So sind wir alle. Wir nehmen auf, was uns interessiert. Die allermeisten anderen Informationen nehmen nur im Kurzzeitgedächtnis Einsitz. Sie bleiben solange, bis die Prüfung, der Vortrag, die Sitzung vorbei ist. Spätestens wenn das Schuljahr vorbei ist, geht ein Grossteil des vermeintlich angeeigneten Wissens für immer verloren.</p>
<p>Wer den unbedingten Wunsch verspürt, das nur begrenzt alltagsnützliche Fach Mathematik nicht über das essentielle Erlernen der Grundrechenarten hinaus zu verfolgen, hat diese Freiheit nicht. Er muss sich, mangelndes Talent und Interesse negierend, im Rahmen seiner Schulpflicht mit geometrischen und algebraischen Problemen auseinandersetzen. Die ideale Idee der vertieften Allgemeinbildung schneidet sich aber schon längst mit dem in den Schulen seit Jahren umgesetzten Trend der Individualisierung.</p>
<p>Die Fragen seien erlaubt: Muss ein virtuos schneidender Coiffeurlehrling durch die Abschlussprüfung rasseln, weil er die chemischen Formeln zum Haarefärben nicht begreift? Braucht jemand, der Hebamme werden will, eine bestandene Maturitätsprüfung, um überhaupt zur Aufnahmeprüfung der Hebammenschule zugelassen zu werden? Geht die Karriere im mittleren Kader ohne irgendeine Ausbildung tatsächlich nicht vorwärts, auch wenn eine Befähigung für höhere Aufgaben gegeben ist?</p>
<p>Es gab es noch nie so viel Bildung wie heute. Die Bevölkerung hat nicht nur das Recht zum gemeinschaftsgeförderten Schulbesuch, sondern die Pflicht dazu. Heerscharen von zunehmend weiblichen Studenten verbringen Jahrzehnte an Schuleinrichtungen aller Art &#8211; manche von ihnen schliessen diese Zeit mit der Geburt eines Kindes ab oder nehmen einen Job an, für den sich ihre bisherige Bildung als gänzlich unnütz zeigt.</p>
<p>Die Studenten stehen sich an den Universitäten gegenseitig auf den Füssen rum. Wer einen Platz im Hörsaal ergattert hat, schreibt mit, was der lehrende Professor erzählt. Hat er ein Fach wie Medienwissenschaft belegt, dann kann es gut sein, dass ihm etwas erzählt wird, das vor dem Internetzeitalter durchaus mal wahr war.</p>
<p>Überhaupt, das Internet: In wenigen Sekunden liefert es den nach Wissen fragenden Antworten. Unzählige Quellen sind nahezu sofort verfügbar. Das, was es braucht, um diese Quellen einzuordnen, nämlich Medienkompetenz, wird gar nicht gelehrt. Einerseits, weil neue Entwicklungen den aktuellen Wissensstand ständig überholen, andererseits, weil Medienkompetenz in der als Elite bekannten Schicht oft gar nicht vorhanden ist. Man möchte sich nicht vorstellen, wie Lehrkräfte im fortgeschrittenen Alter zusammen mit Schülern im Computerraum sind &#8211; wer kann hier wem was beibringen?</p>
<p>Wer etwas wissen will, hatte noch nie so gute Chancen wie heute, es in Erfahrung zu bringen. Der Weg zu mehr Wissen führt nicht über immer noch mehr Bildungsangebote, sondern über den Zugang zum Internet, zu Datenbanken, zu Bibliotheken; über Kommunikation zwischen beteiligten Parteien sowie über Interesse und Eigeninitiative. Es braucht nicht mehr Geld für Bildung, sondern generell weniger Regulierung. Schüler, die selbst aktiv werden. Und Führungskräfte, die auch mal mutige Entscheide treffen.</p>
<p><small>Dieser Beitrag erschien <a href="http://www.studisurf.ch/studiversum/artikel/bildung-loest-alles/">in redigierter Form</a> in der Zeitschrift &#8220;Studiversum&#8221; (Ausgabe 12/2009).</small></p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<title>RSS: Das Internet, das zu dir kommt</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Nov 2009 10:36:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronnie Grob</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedruckt]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Noch immer wird RSS von Journalisten nur marginal genutzt. Zu unrecht. RSS ist der Newsticker der heutigen Welt, die persönliche Nachrichtenagentur.



Die im Sommer 2009 publizierte “IAM-Bernet-Studie Journalisten im Internet 2009” (PDF-File) brachte die Nutzungsgewohnheiten von 526 Schweizer Journalisten und Journalistinnen ans Licht: “40 bis 50 Prozent der Befragten abonnieren Meldungen von Unternehmen, Behörden oder ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Noch immer wird <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/RSS">RSS</a> von Journalisten nur marginal genutzt. Zu unrecht. RSS ist der Newsticker der heutigen Welt, die persönliche Nachrichtenagentur.</strong></p>
<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/RSS"><img alt="RSS" src="http://commons.wikimedia.org/w/thumb.php?f=Feed-icon.svg&#038;width=200px" title="RSS" class="alignleft" width="200" height="200" /></a></p>
<p>Die im Sommer 2009 publizierte “IAM-Bernet-Studie Journalisten im Internet 2009” (<a href="http://www.bernet.ch/images/studies/Journalisten_im_Internet_2009.pdf">PDF-File</a>) brachte die Nutzungsgewohnheiten von 526 Schweizer Journalisten und Journalistinnen ans Licht: “40 bis 50 Prozent der Befragten abonnieren Meldungen von Unternehmen, Behörden oder Agenturen über E-Mail, die RSS-Anteile liegen nur zwischen 2 und 8 Prozent. Mit verschwindend kleinen Anteilen spielt Twitter noch keine Rolle.”</p>
<p>Das Problem liegt dabei nicht bei den Mängeln von RSS, sondern am Unwissen der Journalisten, was das ist und wie man das anwenden kann. Zur Aufklärung: RSS, die Abkürzung von Really Simple Syndication, schliesst die (neuen) Informationen auf einer Website “echt einfach” zusammen und bietet sie so an, dass es andere Websites verstehen.</p>
<p><span id="more-2688"></span>Diese gebündelten Informationen im XML-Format, genannt (RSS-)Feed (englisch: Einspeisung, Futter, Zufuhr), können fast grenzenlos re-importiert werden: Feedreader, Widgets, Websites aller Art werden damit gefüttert und zeigen den Text, die Bilder, die Videos in gewünschter, aber vor allem einheitlicher Form an.</p>
<p><strong>Einfacher als E-Mail und mit mehr Möglichkeiten</strong></p>
<p>Wer sich mal an das Lesen von Informationen in einem Feedreader gewöhnt hat, weiss, wie viel mehr Information in wie viel weniger Zeit bewältigt werden kann. Während das E-Mail-Konto seine Stärken in der schriftlichen 1:1-Kommunikation hat, also dem klassischen Briefwechsel, eignet sich der RSS-Reader als persönliche Infozentrale, also als Newsticker.</p>
<p>Den RSS-Reader öffnen heisst, sich an den Newsticker setzen. Und dort, um ein Bild zu benutzen, die Gläser aus den abonnierten Quellen zu trinken. Manche Quellen sprudeln täglich mehrmals, andere vielleicht einmal im Monat. Um nicht jede einzeln und vielleicht vergeblich zu besuchen, delegiert man die Aufgabe an den Feedreader. Der, wenn immer eine Quelle sprudelt, einem das Glas mit dem Quelleninhalt sicher und kurz nach Veröffentlichung bereit stellt.</p>
<p>Es ist ein Leichtes, sich den Feeds, also den einzelnen Informationsflüssen, thematisch zu nähern, in dem man sie in verschiedene Ordner abfüllt, also zum Beispiel in Politik, Sport oder Stricken. Eine andere Möglichkeit ist es, sie nach Dringlichkeit zu ordnen, also in Feeds, die man täglich mehrmals liest und in Feeds, die man einmal wöchentlich liest. Websites, die keine RSS-Feeds anbieten, sind für regelmässige Feed-Leser rasch inexistent. Es kann aber auch für diese, zum Beispiel mit feed43.com, ein Feed erzeugt werden.</p>
<p><strong>Twitter und RSS</strong></p>
<p>Auch Twitter baut auf Feeds auf. Viele Medienhäuser nutzen ihr Twitter-Konto, wenn sie denn eines haben, bisher so, dass sie automatisierte Links mit einer kurzen Beschreibung veröffentlichen. Wieso man sich aber die täglich über 100 Links von @tagesanzeiger antun sollte, ist unklar. Journalismus hat schliesslich mit Auswahl zu tun, nicht mit wahlloser Ausschüttung. Andere, zum Beispiel @woz, @weltwoche, @blick und @blickamabend, liefern ebenfalls Links, sie kommunizieren aber auch mit ihren Lesern.</p>
<p>Gewisse Feeds sind glasklare Gebote. Ein Radsportjournalist beispielsweise muss den Fahrern, die online twittern, folgen, also @lancearmstrong, @levileipheimer, @cadelofficial, @andy_schleck und anderen. Ein Bundeshauskorrespondent hingegen sollte schon mal @ChristianLevrat und @Fulvio_Pelli abonnieren &#8211; selbst wenn diese (noch) Belanglosigkeiten absondern, ein US-Korrespondent sollte Präsident @BarackObama oder die Gouverneure @Schwarzenegger (Kalifornien) oder @AKGovSarahPalin (Alaska) beobachten. Dazu gibt es die ebenfalls verifizierten, also auf die Echtheit des Absenders überprüften Tweets von @BritneySpears, @sevinnyne6126 (Lindsay Lohan), @Alyssa_Milano, @Janefonda oder @Oprah (Oprah Winfrey). Doch nicht nur Twitter, auch Facebook oder Friendfeed basieren auf Feeds.</p>
<p><strong>Mit einem Klick dabei</strong></p>
<p>Die Anteile der sich in der Umfrage zu RSS bekennenden Nutzer ist vielleicht auch deshalb so tief, weil vielen gar nicht klar ist, wie oft sie schon auf etwas geklickt haben, das durch RSS gespiesen wurde. Für gewisse Themen ist die Nutzung von Feeds jedenfalls unerlässlich. Wer beispielsweise in den letzten Jahren die Themen Medienkonvergenz oder Internet verfolgte, war schlecht bis gar nicht informiert, wenn er sich auf die etablierten Medienprodukte verliess. So schrieb Medienwissenschaftler Robin Meyer-Lucht am 12. Juli 2009 auf carta.info über die etablierten Medien: “Dem Qualitätsjournalismus über die gegenwärtigen Strukturprobleme des Journalismus kann inzwischen über weite Strecken Distanzlosigkeit, Hang zu normativen Kurzschlüssen, Desinteresse an empirischer Fundierung und Klientelismus in eigner Sache bescheinigt werden.” Feeds hingegen zapfen jede gewünschte Quelle an, vom Lieblingsblog bis zu offiziellen Websites.</p>
<p>Feeds ermöglichen es, nichts zu verpassen. Sie erlauben einen täglich wechselnden, also dynamischen Medienkonsum. Mein eigener Medienkonsum verändert sich täglich. Ich folge und entfolge je nach Lust und Laune allen möglichen Quellen. Ziemlich sicher weg ist, von dem ich drei Einträge gelesen habe, die ich doof finde. Doch auch Quellen, die langweilen oder zu wahllos publizieren, sind schnell weg.</p>
<p>Das Gute: Mit einem Klick ist man auf ewig dabei oder für immer weg &#8211; und es kostet nicht mal etwas. So simpel &#8211; dagegen erscheint die Aboverwaltung einer Tageszeitung wie ein deutsches Finanzamt.</p>
<p>Das Schlechte: Obwohl schon x tausende täglich Feeds lesen, schaltet kaum ein Anbieter darin Werbung. Dabei gäbe es, um mich zu erreichen, kaum einen effizienteren Weg. Ich verbringe täglich über eine Stunde im Feedreader.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien in der November-Ausgabe des Schweizer Magazins &#8220;Persönlich&#8221; für Marketing, Medien und Werbung, das man <a href="http://www.persoenlich.com/persoenlich/index.cfm?content=n_abo_step1_09">hier abonnieren</a> kann. </em></p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<title>Altpapier</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Jul 2009 06:12:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronnie Grob</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedruckt]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[Urs Gossweiler]]></category>

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		<description><![CDATA[Die schlechten Nachrichten aus der Schweizer Medienbranche reißen nicht ab. Seit Monaten grassiert der Stellenabbau. Besonders bei den Zeitungen schlägt die Krise durch.

Gemäss den “World Press Trends” des Weltverbands der Zeitungen (wan-press.org) hat Deutschland auf eine Million erwachsene Leser 5.2 täglich erscheinende Bezahltitel aufzuweisen. Die Schweiz hingegen, allen im Land um sich greifenden Gratiszeitungen ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die schlechten Nachrichten aus der Schweizer Medienbranche reißen nicht ab. Seit Monaten grassiert der Stellenabbau. Besonders bei den Zeitungen schlägt die Krise durch.</strong></p>
<p>Gemäss den <a href="http://www.wan-press.org/worldpresstrends/articles.php?id=22">“World Press Trends”</a> des Weltverbands der Zeitungen (wan-press.org) hat Deutschland auf eine Million erwachsene Leser 5.2 täglich erscheinende Bezahltitel aufzuweisen. Die Schweiz hingegen, allen im Land um sich greifenden Gratiszeitungen zum Trotz: 78.2. Das mag an der Mehrsprachigkeit des Landes liegen, doch der nur noch von San Marino getoppte Platz 2 dieser Weltrangliste deutet schon auf eine aussergewöhnliche Pressevielfalt hin.</p>
<p><a href="http://journalist.de/"><img alt="" src="http://journalist.de/images/storys/07_09/seite_76.jpg" title="Artikel im journalist" class="aligncenter" width="378" height="255" /></a></p>
<p>Die Krise trifft 2009 auch die Schweiz, jeden Monat dringen neue Meldungen durch. Im Januar kündigt die “NZZ” die Entlassung von 29 Mitarbeitern an, die “Basler Zeitung” streicht 22 Stellen. Im März schluckt die Tamedia den Westschweizer Verlag Edipresse &#8211; dem Deal fallen 20 Stellen zum Opfer. “Cash” wird eingestellt: 23 Stellen. Im Mai trifft es dann auch die Gratiszeitung “.ch”: 61 Stellen sind weg. Die “Neue Luzerner Zeitung”: 20 Stellen. Der Berner “Bund”: 19 Stellen. Der “Tages-Anzeiger”: 57 Stellen.</p>
<p><span id="more-1331"></span>Fast alle Tageszeitungen entlassen in diesem Monat Mitarbeiter, der Abbau wird von “Tages-Anzeiger”-Angestellten als Mai-Massaker bezeichnet, ein Ende ist nicht in Sicht. Die Bezahl-Tageszeitungen sind unter Druck der Gratiszeitungen, die mit jüngeren und kleineren Redaktionen leichtere, aber auch frischere Inhalte produzieren. Doch auch die eigenen Online-Portale sind eine Bedrohung. Wer zahlt schon für eine Zeitung, deren Artikel er schon vor Drucklegung online gelesen hat?</p>
<p>Beiden neuen Medien gemeinsam ist der Abschied von der Recherche. Der Stoff, den die Nachrichtenagenturen liefern, erreicht den Leser unverändert oder leicht angepasst. Recherche ausserhalb der Redaktion wird, wenn überhaupt, nur noch mittels Telefon oder Internet gemacht. Um den dadurch nicht herausragenden Inhalt attraktiv zu machen, wird tüchtig aufgebauscht.</p>
<p>So mussten die Printjournalisten des “Tages-Anzeigers”, kurz “Tagi”, eine durchaus seriöse, jedoch im Volk gut verankerte überregionale Zürcher Tageszeitung, zusehen, wie ihre Marke in ein seichtes Boulevardportal überführt wurde, dem die Klicks der Online-Nutzer wichtiger sind als journalistische Grundsätze.</p>
<p>Im Tamedia-Verlag zeigt sich das Auseinanderdriften zwischen Verlag und Journalisten am Deutlichsten. “Tagi-Kall-Schlag NEIN!” heisst eine von einem Grünen-Politiker gegründete <a href="http://www.facebook.com/group.php?gid=109920534740">Facebook-Gruppe</a> mit über 400 Mitgliedern, die in Anspielung auf den deutschen CEO Martin Kall nach den Protesten der Mitarbeiter am 26. Mai gegründet wurde. Damals verliessen die Mitarbeiter um die Mittagszeit ihren Arbeitsplatz und bevölkerten Vorplatz und Gehsteig der Werdstrasse. Sie protestierten gegen die geplanten Entlassungen mit dem Einsatz eines Megaphons sowie mit dem offiziellen Schlagzeilen-Aushang der Zeitung: “Enthüllt: Der Tagi wird zu Tode gespart” oder “Chefs führen den Tages-Anzeiger zur Schlachtbank” hiess es auf den zum eigenen Zweck abgeänderten Plakaten.</p>
<p>Die Mitarbeiter können und wollen nicht verstehen, dass ausgerechnet bei ihrem Blatt gekürzt werden soll, das doch über Jahrzehnte die Cash-Cow gewesen war. Dass schon im ersten Jahr, in dem der “Tages-Anzeiger” nicht mehr schwarze Zahlen schreibt, so massiv abgebaut würde, hätten viele Mitarbeiter dem Verlag, der 2008 noch rund 70 Millionen Euro Reingewinn erzielte, nicht zugetraut. Unter den Entlassenen ist übrigens auch der Vorsitzende der Mitarbeiterkommission, Daniel Suter, der einen Stellenabbau in diesem Umfang für übertrieben hält. <a href="http://www.woz.ch/artikel/rss/17991.html">Der linken Wochenzeitung “WOZ” sagte er</a>: “Die Tamedia hätte das Geld gehabt, den Abbau abzufedern. Sie zahlte den Aktionären Mitte Mai 32 Millionen Franken [21 Millionen Euro] Dividenden aus. Bis 2011 lässt sie durch den Stararchitekten Shigeru Ban einen fünfstöckigen Neubau errichten. Dieser allein kostet einige Dutzend Millionen Franken.”</p>
<p>Es scheint fast, als fahre das marktwirtschaftlich ausgerichtete Verlags-Management eine Schritt-für-Schritt-Taktik, um die sozial engagierte Redaktion zu zermürben. Sie wartet zu, bis die Proteste verstummt sind &#8211; und leitet dann den nächsten Restrukturierungsschritt ein. Am Ende dieses Prozesses bleibt der Deutschschweiz wohl das tägliche Gratisblatt “20 Minuten” sowie wenige Tageszeitungen. Vielleicht auch gar keine.</p>
<p>Was Journalismus angeht, öffnet sich im Ringier-Verlag eine Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Die Führungsebene propagiert immer wieder publizistischen Anspruch und die Wichtigkeit von gutem Journalismus, allen voran der in Berlin residierende Chefpublizist Frank A. Meyer. Doch im Alltag ist davon kaum etwas zu finden, die gelungene Neugründung “Cicero” auf deutschem Boden explizit ausgenommen. In den Schweizer Blättern drehen sich viele Inhalte um Miss- und Mister-Wahlen, harmlose Ratgeber- und Lifestyle-Rubriken haben lesenswerte Geschichten abgelöst, politisch haben alle Blätter an Einfluss verloren.</p>
<p>Das ehemalige Flaggschiff, das Boulevardblatt “Blick”, torkelt von Relaunch zu Relaunch und von einem führungstreuen Chefredakteur zum Nächsten. Publizistisch hat es massiv an Einfluss verloren &#8211; es wird kaum zitiert, nicht mal mehr gelesen. Schuld daran ist eine am Boulevardleser vorbeigehende Magazinisierung und ein von der Führung verordneter politisch überkorrekter Kurs.</p>
<p>Das Online-Angebot der Zeitung, “Blick Online”, erschöpft sich auf der Jagd nach Klicks in der Erfindung von täglich neuen Schlüpfrigkeiten: “<a href="http://www.blick.ch/people/schweiz/ladina-knabbert-gern-an-renzos-wurst-120031">Ladina knabbert gern an Renzos Wurst</a>” hiess beispielsweise der Titel einer Story, in dem es um eine Bratwurst ging, die Ex-Mister-Schweiz und Biobauer Renzo Blumenthal neu im Markt einführen will. Mit der Schlagzeile “<a href="http://www.blick.ch/people/schweiz/wer-wird-miss-earth-switzerland-120115">Gute Brüste, grosses Herz</a>” wurden Kandidatinnen zur Wahl einer Miss Earth Switzerland vorgestellt. Der einzige Lichtblick bei Ringier Schweiz ist der frische und kostenlose “Blick am Abend”. Die jeweils um 16 Uhr erscheinende Abendzeitung konnte sich in den Gewohnheiten der Pendler verankern &#8211; über die Hälfte von ihnen lesen die Zeitung auf dem Heimweg in den öffentlichen Verkehrsmitteln.</p>
<p>Beispielhaft für die Internetinkompetenz des Verlags und seinem schleichenden Abschied vom Journalismus ist die Geschichte von “Cash”. Einst eine kritische Wirtschaftswochenzeitung mit einer treuen Leserschaft, wandelte es der Verlag in ein inhaltsarmes und bedeutungsloses Gratisblatt mit einem Online-Bereich, der seine Leser einsperren wollte und das Konzept Zeitung 1:1 auf das Internet zu übertragen versuchte. In der Krise wurde nun auch die Papierausgabe eingestellt, vorerst am Leben bleibt eine Restredaktion, die eine kleine Flamme von Glauben an das vermeintliche Online-Vorzeigeprojekt am Leben hält.</p>
<p>Tatsächlich ist der Verlag auf dem Weg zum Versandhändler, nimmt man denn die Worte von Verleger Michael Ringier ernst, der noch mindestens 10 Jahre an der Verlagsspitze bleiben will. <a href="http://www.handelszeitung.ch/artikel/Unternehmen-_Ich-kann-den-Job-noch-lange-machen_546884.html">Der “Handelszeitung” sagte er</a>: “Der Versandhandel ist ein gutes Geschäft. Hubert Burda verkauft ja auch Schirmständer – was solls? Solange das Geschäftsmodell erfolgreich ist?”</p>
<p><a href="http://journalist.de/"><img alt="" src="http://journalist.de/images/titelseiten/jo0709.jpg" title="Titelblatt journalist im Juli 2009" class="alignleft" width="250" height="339" /></a>Immerhin ein Zeitungsverlag in der Deutschschweiz sieht sich weiterhin ausdrücklich dem Qualitätsjournalismus verpflichtet. Es ist die NZZ-Gruppe, Herausgeber der “Neuen Zürcher Zeitung”, die schon seit sagenhaften 228 Jahren erscheint. Leider ist die “alte Tante”, wie sie im Volksmund genannt wird, tatsächlich etwas ältlich. Ihre Journalisten brüten in Einzelbüros, in denen kleine Bibliotheken stehen, über ihren oft exzellenten Texten. Ihre Auslandskorrespondenten haben noch immer nahezu den Status eines Botschafters und kosten den Laden, <a href="http://medienlese.com/2008/02/06/journalisten-selbstkritik-ein-versuch-immerhin/">wie Chefredakteur Markus Spillmann in einer Fernsehsendung erzählte</a>, jeder etwa 130.000 &#8211; 200.000 Euro im Jahr. Fragt man bei NZZ-Mitarbeitern nach, ob denn diese teuren Korrespondenten nicht auch mal etwas für online bloggen könnten, verwerfen diese die Hände. Keine gute Idee offenbar.</p>
<p>NZZ Online ist eines der wenigen im deutschsprachigen Zeitungsportale, die sich dem Lockruf der Klickjagd verwehrt haben. Es verarbeitet die aktuelle Nachrichtenlage etwas träge, doch es bietet seinen Lesern konsequent vertrauenswürdige Informationen an. Innovationen wie in die Artikel eingebundene Videos und Links finden ihren Weg nur sehr langsam ins Portal, die Veränderungen scheinen jedoch nachhaltig zu verbleiben.</p>
<p>Von den sich Politik und Wirtschaft widmenden Wochentiteln ist nach der Einstellung von “Facts” neben der “WOZ” nur noch die “Weltwoche” übrig, und auch diese entliess kürzlich so viele Mitarbeiter, dass viele fragten, ob Roger Köppel sein Blatt bald alleine führe. Die “Weltwoche” gibt es zwar seit 1933, doch den Weltwoche Verlags AG mit dem Ex-”Welt”-Chefredakteur Köppel als Besitzer und Chefredakteur erst seit 2006. Das Blatt polarisiert wie kaum ein Anderes, da es angriffig ist und gerne die Gewissheiten der Leser in Frage stellt. In der Krise restrukturiert es konsequent, bleibt aber konservativ dem Papier verhaftet. Um das Blatt ins Internet zu führen, leistet sich das Blatt genau einen (1) Mitarbeiter.</p>
<p>Sonntagszeitungen scheinen ein nicht zu sättigender Markt zu sein. Seit vierzig Jahren gründet alle paar Jahre ein Schweizer Verlag eine neue &#8211; die dann (für alle überraschend) erfolgreich ist. Zuletzt 2007 der “Sonntag” des vergleichsweise kleinen AZ Medien Gruppe. Der mutige Entscheid des Regionalverlegers Peter Wanner, den erst 34jährigen Patrik Müller zum Chefredakteur zu machen, zahlte sich längst aus. Er bringt die Konkurrenz, namentlich den “SonntagsBlick” (seit 1969, Ringier), die “Sonntagszeitung” (seit 1987, Tamedia) und die “NZZ am Sonntag” (seit 2002, NZZ Gruppe) mit immer neuen Primeurs ins Schwitzen.</p>
<p>Patrik Müller, der den nationalen Medienpionier Roger Schawinski als sein journalistisches Vorbild bezeichnet, ist nicht die Grösse einer Redaktion wichtig, sondern die “Qualität der Redakteure”: “Wir haben wenige, dafür sehr gute Leute. Wichtig ist auch die Heterogenität der Redaktion”. Fast die Hälfte davon besteht aus Frauen, Jungtalente und erfahrene Rechercheure ergänzen sich gegenseitig. Die verhältnismässig bescheidene Grösse des AZ Verlags sei sogar ein Vorteil für die noch vom “Gründer-Spirit” angetriebenen Zeitung: “Die Entscheidungswege sind kurz, die Redaktion ist unabhängiger und dadurch ‘frecher’ als diejenigen aus den bürokratischeren Grossverlagen Ringier und Tamedia”. Wie erfrischend, einen Chefredakteur zu hören, der so für sein Blatt und seine Mitarbeiter schwärmt. “Die Stimmung ist gut, und einer Zeitung merkt man immer an, in welcher Stimmung sie entstanden ist.”</p>
<p>Eine Übersättigung ist dagegen auf dem Gratiszeitungsmarkt zu beobachten. Verdrängt vom Markt wurde mit dem Auftritt von “News” (Tamedia) sowohl “Cash Daily” (Ringier) als auch “.ch” (Investorengruppe). Das Alleinstellungsmerkmal des Blatts, die Hauszustellung, scheiterte bald an Beschwerden aus der Bevölkerung, die das Blatt nicht in ihren Briefkästen haben mochten. Viele der in Wohngebieten aufgestellten Leichtbauständer, von “.ch” täglich für lokale Leser zur Verfügung gestellt, fielen Dieben zum Opfer.</p>
<p>Mit “News”, das dann und wann sogar eigene Interviews führt, verbleiben das kommerzielle Sensationsprodukt “20 Minuten” (Tamedia) sowie “Blick am Abend” (Ringier). Journalistisch anspruchsvoll sind beide nicht, es handelt sich um schnell produzierte und konsumierte Häppchen mit Unterhaltungswert, für die kaum recherchiert wird, schon gar nicht ausserhalb der Redaktion.</p>
<p>“Online ist nicht ein zusätzlicher Output. Online ist die Basis des gesamten Workflows schlechthin”, sagt Urs Gossweiler, Verleger der “Jungfrau-Zeitung”, die zweimal in der Woche, am Dienstag und am Freitag, ausgedruckt wird. Ein radikaler, aber konsequenter Weg. Auf der Website heisst es: “Im Zentrum der Jungfrau Zeitung steht das Internet.” Für ihn ist klar: Was sich die grossen Verlage noch leisten, nämlich mehrere Vollredaktionen für mehrere Titel, könnte er sich gar nicht leisten. Er kann auch nicht verstehen, warum noch immer in Druckzentren investiert wird. Stattdessen sollen die Verlage in “die schreibende Zunft” investieren und Journalisten das tun lassen, wofür sie da sind, nämlich journalistische Inhalte zu erarbeiten: ”Sich wiederholende Arbeit kann gut an Computer delegiert werden.”</p>
<p>Der Abschied von bezahltem Papier bewegt die gesamte Branche. Der Gang ins Internet geht nur langsam voran und ist verbunden mit Abbau von Personal und Journalismus. Noch schreiben viele Verlage Gewinne, vor allem kleinere Regionalverlage scheinen vorerst noch nicht hart getroffen. Das Spucken von grossen Tönen wie <a href="http://medienlese.com/2007/09/27/die-50-besten-zitate-uebers-internet/">“Google hat Angst vor uns”</a> (Verlegerverbandspräsident Hanspeter Lebrument, 2007) oder <a href="http://medienlese.com/2007/09/27/die-50-besten-zitate-uebers-internet/">“Im Internet finde ich ja meist nur, was ich suche”</a> (Michael Ringier, 2007) ist aber seltener geworden. Mit der Finanzkrise ist nun auch noch dem letzten Verleger klar geworden, dass die jahrhundertelange Tradition des Zeitungsdrucks seinem Ende entgegen sieht und das Geschäft komplett umgekrempelt werden könnte. Viele Journalisten haben ihren Argwohn den neuen Medien gegenüber etwas gelindert, sie bloggen, sie twittern, sie schalten sich in Online-Debatten ein. Doch wie die neuen Geschäftsmodelle aussehen werden, die der wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe Journalismus eine Zukunft ermöglichen, weiss auch in der Schweiz noch niemand so genau.</p>
<p><small>Dieser Artikel erschien am 30. Juni 2009 in redigierter Form im deutschen Branchenmagazin <em><a href="http://journalist.de/">journalist</a></em>.</small></p>
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		<title>&#8220;Das Magazin&#8221; zerlegt sich in Häppchen</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Jun 2009 11:40:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronnie Grob</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Finn Canonica]]></category>
		<category><![CDATA[Guido Mingels]]></category>
		<category><![CDATA[Michèle Roten]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Tagi Magi]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Zaugg]]></category>

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		<description><![CDATA[Im neuen "Magazin" von Tamedia glänzt nach dem Relaunch vor allem die Werbung. Sind die grossen Zeiten nun vorbei? Muss der publizistische Leuchtturm ein Heftli werden?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im neuen &#8220;<a href="http://dasmagazin.ch/">Magazin</a>&#8221; von Tamedia glänzt nach dem Relaunch vor allem die Werbung. Sind die grossen Zeiten nun vorbei? Muss der publizistische Leuchtturm ein Heftli werden?</strong></p>
<p>“Facts” ist eingestellt, die “Weltwoche” verkauft immer neue Teile ihrer Titelseite und ich erkenne meine Lieblingslektüre der letzten 25 Jahre, das “Magazin”, nicht wieder. Als ich das komplett überarbeitete und am 3. Januar 2009 erstmals in grösserem Format erschienene Heft erstmals durchblätterte, stach mir vor allem die Werbung ins Auge, die sich in frohen Farben von den matt kolorierten redaktionellen Inhalten abhebt. Das publizistische Konzept wirkt damit wie auf eine bis vor kurzem nicht denkbare Weise umgekehrt: Nicht mehr die Werbung ergänzt die Inhalte, sondern die Inhalte ergänzen die Werbung.</p>
<p>Und es tauchen redaktionelle Inhalte auf, die mich stutzen lassen. Es erscheinen Artikel über pseudomoderne Fahrräder, die viel Geld kosten, allerdings keine Bremsen und Lichter haben &#8211; irgendwie der letzte Schrei. Oder es wird eine ganze Ausgabe mit Inhalten gefüllt, die zuvor im Geschäftsbericht des Detailhändlers Migros erschienen sind. Flankiert mit bezahlter Werbung &#8211; der Migros.</p>
<p><a href="http://blog.ronniegrob.com/2009/06/17/das-magazin-zerlegt-sich-in-happchen/"><img src="http://blog.ronniegrob.com/wp-content/uploads/das-magazin.jpg" alt="Das Magazin" title="Das Magazin" width="500" height="459" class="size-full wp-image-1178" /><br />
<small>Eine Vorliebe für Hemden, Krawatten, Anzüge? Foto: Ronnie Grob</small></a></p>
<p>Als Res Strehle im April 2007 vom Magazin-Chefsessel in die (zunächst stellvertretende) Chefredaktion des Tages-Anzeigers stiess, folgten im Magazin Finn Canonica und Guido Mingels (Stv.) nach. Ehemals der Ort für lange, herausragende Sozialreportagen, für Denkanstösse, für politische und wirtschaftliche Hintergründe, wandelt sich das Heft unter der neuen Führung in einen Styleguide der versnobten, städtischen Eltern. Die Themen drehen sich vornehmlich um Stil, Mode, Kochen, Frauen, Kinder, Reisen, Trends. Politik? Ja, aber dann nur die menschliche Seite. Gesellschaft? Ja, aber nur, wenn etwas Glamour dran ist. Wissenschaft? Das ist zu trocken, das geht nur aufgepeppt. Investigationen? Verlaufen nicht immer günstig; Redaktionsmitglied  Sacha Batthyany widerfuhr das Unglück, <a href="http://dasmagazin.ch/index.php/bose-buben/">in Liverpool von einem Fünfzehnjährigen ausgeraubt</a> zu werden.</p>
<p><span id="more-1158"></span>Das mehreren Tamedia-Zeitungen beiliegende Heft dreht sich vor allem um Zürich &#8211; auch wenn Mingels am 10. Juli 2007 in Bern ein “Frauenwunder” entdeckte und <a href="http://dasmagazin.ch/index.php/das-frauenwunder-von-bern/">eine “Ode an die Bernerin”</a> schrieb. Leser aus der Agglomeration oder vom Land finden sich kaum wieder. Chefredakteur Canonica scheint jedenfalls kein besonderes Interesse an Nicht-Zürchern zu haben. So <a href="http://twitter.com/finncanonica/status/1365716579">twitterte</a> er am 21. März 2009, um 14:28 Uhr (<a href="http://twitter.com/finncanonica">twitter.com/finncanonica</a>): ”Hasse Zurich am samstag, zuviele provinznuesse”.</p>
<p>In einem <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=69754">Interview 2007</a> sagte Finn Canonica, er möge rückwärtsgewandte Geschichten weniger: “Ich will wissen, was die Menschen jetzt und heute beschäftigt und über was man in einem halben Jahr reden wird, welche Ideen die unmittelbare Zukunft gestalten werden.” Doch ausgerechnet das Internet, die grösste Revolution, die uns im Alltag ereilt hat, schweigt die Redaktion fast komplett aus. Sie reagiert kritisch-ängstlich auf die neuen Entwicklungen und lässt den Webkritiker Andrew Keen ran, der, selbst aktiv bloggend und twitternd, den Kult des Amateurs verdammen darf (<a href="http://dasmagazin.ch/index.php/die-revolution-ertrankt-ihre-kinder/">am 21. September 2007</a>).</p>
<p>Zaghafte Versuche, online aktiv zu sein, gehen oft nicht über den Versuch hinaus und verlaufen konsequent inkonsequent. Der Dialog mit den online kommentierenden Lesern gestaltet sich schwierig, die inzwischen abgesetzte Tech- und Medienkolumne von Thomas Zaugg durfte nicht mehr als eine nur online erscheinende Print-Kolumne sein (keine Links, kein Dialog).</p>
<p>Es fällt auch auf, dass einige der Redaktion offenbar nahestehende Personen sehr oft im Blatt stehen. Von Patrick Frey etwa, Verleger der Bücher des Redakteurs Max Küng, erschien am 23. Januar 2009 ein “Was ich mag / Was ich nicht mag”, an den Tagen vom 13. März bis zum zum 17. April insgesamt fünf Teile eines Gesprächs, in dem er von Canonica attestiert kriegt, “immer toll” auszusehen und selbst “in Jugenderinnerungen schwelgt”. Und zwischendurch, am 28. Februar, redeten sie in der Sendung DRS4 Talk miteinander, über den Aufenthalt von Frey in Dubai.</p>
<p>Überhaupt scheint Aussehen sehr wichtig zu sein, auch für Journalisten. So kann man auf einem der Fotos neben den Kolumnen von Daniel Binswanger geradezu zusehen, wie er diese im Geiste formuliert, tadellos angezogen und seinen Blick gedankenverloren durch die Pariser Wohnung schweifend.</p>
<p>Auch die SF-Journalistin Patrizia Laeri inszeniert das Magazin per Schwarz-Weiss-Foto. Canonica teilt sie im Heft “Menschen, denen die Zukunft gehört” ein in <a href="http://dasmagazin.ch/index.php/patrizia-laeri-sf-moderatorin/">die Gruppe der “sehr schönen Frauen”</a>. Was wahr ist, aber absurd wirkt, weil damit ebenfalls eine Äusserlichkeit und keine Qualifikation angesprochen wird. Was er im Portrait von ihr kritisiert: “In Blogs, wo ja immer nur Zukurzgekommene diejenigen verbal missbrauchen, die sie gerne sein würden, wurde Laeri auch schon als Barbie-Puppe bezeichnet.” Sucht man im Internet nach “Barbie” und “Laeri”, so findet sich keine solche Passage in Blogs. Nur einen <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Jungjournalistin-nimmt-UBSPraesident-in-die-Zange/story/16822729">Kommentar auf tagesanzeiger.ch</a>; dort wird Laeri als “barbie-saubere Naiv-Journalistin” bezeichnet.</p>
<p>Die sich online äussernden Leser verstehen den “Hype um Frau Laeri” nicht ganz. Sie sehen das harte Nachfragen der Journalistin, die “Laeri-Brechzange” (Canonica), als “eine Selbstverständlichkeit” an. Die Kommentare zu einem <a href="http://dasmagazin.ch/index.php/miss-forever/">Portrait von Ex-Miss-Schweiz Melanie Winiger</a> sind dann schon deutlicher: “Wieviele dieser belanglosen People-Portraits müssen wir eigentlich noch lesen?”, “solche Berichte gehören in die ‘Glückspost’ und nicht hierhin”, “ein weiterer Meilenstein in der Vertrashung des Magazins”.</p>
<p>Diese Kommentare kann man aber seit Anfang Juni gar nicht mehr lesen. Denn dasmagazin.ch hat die Kommentarfunktion inklusive Nutzerprofil-Zugang ohne Ankündigung zum Verschwinden gebracht. Es ist zwar noch zu sehen, wenn ein Artikel Kommentare nach sich zog &#8211; zugänglich ist aber nur noch der abgedruckte Artikel. Entweder ist der Redaktionsleitung nach zwei Jahren plötzlich der Moderationsaufwand zu gross geworden. Oder aber sie will sich nicht weiter der öffentlichen Kritik stellen. [Update am 17.06.2009: Einzelne Stories sind nun offenbar <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=82549">entgegen der Ankündigung vom 02.06.2009</a> wieder Kommentaren geöffnet.]</p>
<p>Die zu einem guten Teil aus städtischen Eltern rund um die 40 bestehende Redaktion ist zu homogen, um vielfältige Inhalte zu produzieren. Die grenzenlos wirkenden Konzessionen an die Werbewirtschaft verringern den publizistischen Wert und sind mehr aus einem Selbsterhaltungstrieb als aus echter Notwendigkeit geboren. Denn die durch die Werbekrise in Schieflage geratene Bilanz liesse sich durchaus auch anders ausgleichen, nämlich mit einer Restrukturierung der (im Vergleich) durchaus luxuriös ausgestatteten Redaktion. Das ist bisher ausgeblieben und auch nicht in Sicht &#8211; es wird somit kaum frisches Blut in den (publizistisch) fahlen Patienten einfliessen. Die 2008 von der “NZZ am Sonntag” abgeworbenen Matthias Ninck und Sacha Batthyany setzten bisher kaum Akzente, richtig frisch sind nur die Texte des Ausnahmetalents Michèle Roten und des Praktikanten Thomas Zaugg.</p>
<p>Braucht es das “Magazin” überhaupt noch? Oder würde Tamedia nicht besser daran tun, es gleich mit der “<a href="http://www.annabelle.ch/">Annabelle</a>” zu fusionieren? Nein, denn das “Magazin” hat ein grossartiges Erbe zu verwalten. Ich kenne unzählige Leser, die den “Tages-Anzeiger” durchblätterten, das “Magazin” aber studierten und liebten. Mit der auf die Werbekunden ausgerichteten Strategie der harmlosen Häppchen wird die Zeitung diese Abonnenten verlieren.</p>
<p><small>Dieser Artikel erschien in redigierter Form am 1. Juni 2009 im Medienmagazin <em><a href="http://www.klartext.ch/blog/">Klartext</a></em>.<br />
Siehe dazu auch den Artikel <a href="http://medienlese.com/2009/03/19/mehr-style-als-life-magazinbeilagen-die-neuen-frauenzeitschriften/">&#8220;Mehr Style als Life: Supplements werden zu Frauenzeitschriften&#8221;</a> auf medienlese.com vom 19. März 2009.</small></p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<title>Online-Reputation von Journalisten: Ein Kommentar über Kommentare</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 11:41:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronnie Grob</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Journalist]]></category>

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		<description><![CDATA[Viele Journalisten mögen das Internet nicht. Manche von ihnen mögen das
Internet nicht, weil jemand darin über sie geschrieben hat. Über sie und
ihre Arbeit. Einfach so, ohne vorher zu fragen. Bemerkt haben sie das, weil
sie ab und zu ihren Namen googlen. Und da steht dann, manchmal schon in den
ersten Ergebnissen, irgendwas über sie. Im schlechtesten ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viele Journalisten mögen das Internet nicht. Manche von ihnen mögen das<br />
Internet nicht, weil jemand darin über sie geschrieben hat. Über sie und<br />
ihre Arbeit. Einfach so, ohne vorher zu fragen. Bemerkt haben sie das, weil<br />
sie ab und zu ihren Namen googlen. Und da steht dann, manchmal schon in den<br />
ersten Ergebnissen, irgendwas über sie. Im schlechtesten Fall eine<br />
Unwahrheit eines anonym oder pseudonym bleibenden Feiglings.</p>
<p><span id="more-1153"></span>Haben sie sich darüber ausführlich geärgert, werden sie aktiv. Doch wie?<br />
Manche schreiben E-Mails und versuchen, eine Löschung des infamen Beitrags<br />
zu erwirken. Was in vielen Fällen daran scheitert, dass nicht zu eruieren<br />
ist, wer “trixi78” überhaupt ist. Andere kommen zur Einsicht, dass die<br />
betreffende Stelle als Kommentar auf einer Website steht, die sich überhaupt<br />
nicht kooperativ zeigt und auf die Kommentarregeln verweist. Es bleibt der<br />
Gang zum Anwalt oder zu einem Dienstleister, der die Wiederherstellung der<br />
Online-Reputation anbietet. Schritte, die unangenehm sind sowie Kosten und<br />
einen ungewissem Ausgang mit sich bringen.</p>
<p>Doch das Problem liesse sich leicht entschärfen. In dem der Journalist<br />
selbst im Internet agiert und seinen guten Namen aktiv verteidigt. In dem er<br />
die Kommentarfunktion unter dem Beitrag nutzt. Oder im persönlichen Blog<br />
unter eigenem Namen dazu Stellung bezieht. Ein eigenes Blog ist kostenlos<br />
und in wenigen Minuten erstellt.</p>
<p>Für solchen Kleinkram hat ein Journalist doch keine Zeit? Gemessen am<br />
langanhaltenden Ärger der kompletten Internetverweigerung sind die<br />
Aktivitäten, mit denen er seinen Namen schützt, überschaubar. Eine Debatte<br />
im Internet kann zudem lehrreich, gar unterhaltsam sein.</p>
<p>Reagieren sollte er allerdings nur dann, wenn der Beitrag ernst zu nehmen<br />
ist. Eine Entscheidung, die jeder für sich selbst fällen muss. Einige<br />
Beiträge disqualifizieren sich selbst und können gut mit Humor verarbeitet<br />
werden. Ich zum Beispiel wurde schon als “der linke Alleswisser und<br />
Nichtskönner Ronnie Grob” bezeichnet (auf einer Website, die übrigens in<br />
etwa das Design von tagesanzeiger.ch verwendet). Man findet den Eintrag,<br />
<a href="http://www.google.ch/search?hl=de&#038;q=Ronnie+Grob&#038;btnG=Google-Suche&#038;meta=&#038;aq=f&#038;oq=">sucht man nach meinem Namen auf Google</a>, derzeit etwa auf Platz 40. Nun denn,<br />
Journalisten, die für ihre Arbeit Meinungsfreiheit fordern, müssen diese bis<br />
zu einem gewissen Punkt auch ertragen können.</p>
<p>Solche Beiträge erwarten und verdienen in der Regel keine Reaktion. Man<br />
fängt ja auch keine stundenlange Diskussion an mit einem, der einem auf der<br />
Strasse aus sicherer Distanz beleidigt. Natürlich kann man in so einer<br />
Situation die Polizei rufen, als Ehrenmann sogar ein Duell fordern. Meist<br />
kommt einem sowas aber schon am nächsten Tag, sind die ersten Emotionen<br />
wieder etwas abgekühlt, unvernünftig vor. Vielleicht zurecht.</p>
<p>Als Tipp am Rande: Ist die Telefonnummer des Verursachers verfügbar, so<br />
wirkt ein Anruf manchmal Wunder. Viele von denen, die ins Internet<br />
schreiben, sind sich nämlich gar nicht bewusst, dass sie sich eventuell<br />
rufschädigend verhalten, gerade der Totschläger “Zensur” wird oft wahllos<br />
und unbewusst verwendet. Konfrontiert mit ihrem Verhalten geben sie manchmal<br />
gerne zu, aus einer Stimmung heraus agiert zu haben &#8211; vielleicht erinnern<br />
sie sich auch schon längst nicht mehr an ihr Werk. Wenn die Probleme, die<br />
der Betroffene mit dem Beitrag hat, sachlich dargelegt werden können, lösen<br />
sich diese vielleicht in gegenseitigem Wohlgefallen auf. Eine<br />
Kontaktaufnahme hingegen, die gleich mit rechtlichen Konsequenzen droht,<br />
wenn der Beitrag nicht sofort gelöscht wird, stösst verständlicherweise eher<br />
nicht auf Kooperation.</p>
<p>Ausserdem gibt es den Lerneffekt. Vor über einem Jahr verweigerte ich mich<br />
der Bitte eines Journalisten, einen Arikel über ihn zu ändern, weil ich<br />
weiterhin zu jedem Wort im Text stand. Inzwischen ist er selbst aktiv im<br />
Internet, meine damaligen Worte tauchen nicht mehr auf den vorderen Plätzen<br />
auf.</p>
<p>Das heisst nicht, dass sich ein Journalist alles gefallen lassen muss. Wie<br />
im Leben ausserhalb des Internets gibt es nun mal Menschen, die nur mit<br />
rechtlichen Mitteln zu ein wenig Vernunft gebracht werden können.</p>
<p><small>Dieser Kommentar erschien in der Ausgabe 4/2009 des Branchenmagazins <em><a href="http://www.schweizer-journalist.ch/index.cfm?todo=zei">Schweizer Journalist</a></em>.</small></p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Tamedia/Newsnetz: &#8220;Boulevardsau&#8221; rausgelassen</title>
		<link>http://blog.ronniegrob.com/2009/04/14/tamedianewsnetz-boulevardsau-rausgelassen/</link>
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		<pubDate>Tue, 14 Apr 2009 17:23:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronnie Grob</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedruckt]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Zimmer]]></category>
		<category><![CDATA[Newsnetz]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Wälty]]></category>
		<category><![CDATA[Pietro Supino]]></category>
		<category><![CDATA[Res Strehle]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>

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		<description><![CDATA[Tamedia setzt mit dem Newsnetz neue Qualitätsmassstäbe beim Online-Journalismus - im unteren Bereich der Skala.

Im August 2008 übergaben Tages-Anzeiger, Berner Zeitung und Basler Zeitung, später auch der Bund und die Thurgauer Zeitung, ihre bisherigen Websites dem Newsnetz, einer neuen Online-Zentralredaktion in Zürich mit Regionalredaktionen in Basel und Bern. Zuvor bestanden ihre Websites aus abgefüllten ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b>Tamedia setzt mit dem Newsnetz neue Qualitätsmassstäbe beim Online-Journalismus &#8211; im unteren Bereich der Skala.</b></p>
<p>Im August 2008 übergaben Tages-Anzeiger, Berner Zeitung und Basler Zeitung, später auch der Bund und die Thurgauer Zeitung, ihre bisherigen Websites dem Newsnetz, einer neuen Online-Zentralredaktion in Zürich mit Regionalredaktionen in Basel und Bern. Zuvor bestanden ihre Websites aus abgefüllten Zeitungsinhalten, die mit aktuellen Agenturmeldungen angereichert wurden, sowie nicht-journalistischen Service-Rubriken.</p>
<p>Das neue Projekt war merklich grösser dimensioniert und wurde angekündigt als das “bisher ambitiöseste journalistische Projekt im Internet”. Im Begrüssungstext hiess es: “Die Zeiten, in denen Onlinejournalismus in der Schweiz im Copy-Paste-Verfahren betrieben wurde, sind vorbei. Heute weiss man: Qualität hat ihren Preis.” Auch auf newsnetz.ch steht dieser Anspruch ungebrochen: “Newsnetz: Der schnellste Qualitätsjournalismus im Netz!”</p>
<p>Doch tatsächlich haben viele Aktivitäten des Newsnetz nichts mit Qualitätsjournalismus zu tun: “Schwangere Brasilianerin von Schweizer Neonazis schwer misshandelt”, hiess es zum Beispiel am 11. Februar 2009. Eine Schlagzeile, von der sich nur das Wort “Brasilianerin” als wahr herausgestellt hat. Von Zweifeln war noch in der gleichen Story zu lesen. Tagesanzeiger.ch schrieb am Ende des kurzen Artikels diesen abstrusen Satz, Tippfehler inklusive: “In brasilianischen medien wurde auch berichtet, der Polizsit, der als erste am Tatort gewesen sei und den Fall behandelt habe gegenüber dem Opfer und ihrem Freund Zweifel an den Schilderungen geäussert.”</p>
<p>Inzwischen sind solche Schludrigkeiten nur noch per Screenshot beweisbar, denn das Newsnetz schreibt laufend Artikel um, ohne die Veränderungen zu dokumentieren.</p>
<p><img src="http://blog.ronniegrob.com/wp-content/uploads/screenshot-tagesanzeigerch-2009-02-111.png" alt="screenshot-tagesanzeigerch-2009-02-111" title="screenshot-tagesanzeigerch-2009-02-111" width="500" height="161" class="alignleft size-full wp-image-1107" /><br />
<small>Bild: Screenshot tagesanzeiger.ch</small></p>
<p><span id="more-1099"></span><img src="http://blog.ronniegrob.com/wp-content/uploads/tagesanzeigerch-2009-02-11.png" alt="tagesanzeigerch-2009-02-11" title="tagesanzeigerch-2009-02-11" width="500" height="158" class="alignleft size-full wp-image-1109" /><br />
<small>Bild: Screenshot tagesanzeiger.ch</small></p>
<p>Wahrlich keine journalistische Tugend, denn auf Inhalte, die sich ständig verändern, kann nicht ernsthaft Bezug genommen werden. Und das macht die Artikel so irrelevant wie die Kommentare dazu. Diese werden gerne entgegengenommen, aber von der Redaktion nur verwaltet, nicht beantwortet. Eine Debatte entsteht so keine, nur kurze, schnell untergehende Meinungsbits zum Artikel. Res Strehle, stellvertretender Chefredaktor des Tages-Anzeigers sowie Projektleiter Newsnetz bis zum Start und nun im Beirat, bekräftigt auf Anfrage sein Statement von September 2007: “Interaktivität, der Dialog mit dem Publikum, ist heute ein Muss”. Kommuniziert wird mit dem Publikum aber nicht, weder mit Links auf Websites, die in den Artikeln erwähnt werden, noch mit anderen Mitteln. Auch anderweitig geht die Redaktion nachlässig zugange. Etwa beim Umgang mit Bildrechten. Publiziert wird, was man im Netz findet. Gegen diese Praxis hat sich nun Widerstand formiert. Eine derzeit 33-köpfige Gruppe mit dem Namen “<a href="http://www.flickr.com/groups/1000549@N20/">Newsnetz: Please stop using Flickr pictures without asking</a>” wehrt sich auf dem Fotoportal Flickr.com gegen den Diebstahl von urheberrechtlich geschützten Bildern.</p>
<p>Newsnetz macht auch vieles richtig: Die Websites sind übersichtlich gestaltet und nicht so überladen wie die früheren Zeitungsportale. Die Redaktionen reagieren schnell auf überraschende Ereignisse, stark ist das Portal in der Kategorie “sich entwickelnde Geschichten”. Bewegt ein Ereignis vermeintlich die ganze Deutschschweiz, so liefert Newsnetz dazu eine Story nach der anderen. Das trägt meist kaum bei zu einer vernünftigen Einordnung der Ereignisse – aber dafür ist ja die gedruckte Zeitung da, die Tamedia auch in Zukunft verkaufen will. Nur: Wenn auf Papier dasselbe steht, wie Tags zuvor im Netz, sinkt der Anreiz dafür drei Franken auszugeben.</p>
<p>Online werden die Leser in der Frühe darüber aufgeklärt, was am Abend zuvor im Club des Schweizer Fernsehens besprochen wurde (<a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Wundenlecken-im-Club/story/26011649">am 25.2.09</a>), am Mittag sehen sie sich an, wie in einer polnischen TV-Show ein Motorrad ausser Kontrolle geriet (<a href="http://www.tagesanzeiger.ch/digital/dossier/wild-wide-web/LiveCrash-im-TVStudio/story/18764014">am 3.3.09</a>) und am Abend lesen sie über eine angebliche Ufo-Sichtung während der Inaugurationszeremonie des US-Präsidenten (<a href="http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/Video-zeigt-Ufo-kurz-nach-Barack-Obamas-Rede/story/16100679">am 25.1.09</a>). „Das sind typische Webthemen, die in der Printausgabe auf der Kehrseite gedruckt würden“, sagt Res Strehle. Ihm geht es in der Boulevard-Frage nicht darum, ob ein Thema Boulevard ist, sondern wie es angepackt wird. Leichtere Themen sollen ihren Eingang finden, solange sie nicht auf eine Art aufgemacht werden, die nur schwarz oder nur weiss zulässt.</p>
<p>Eine Linie, gar eine Haltung, ist publizistisch nicht zu erkennen. Es grassiert Beliebigkeit. Die einzige Konstante ist ein “Wie es euch gefällt”, eine ständige Anpassung und Anbiederung an das Diktat der Mehrheit der Leser. Dass Tamedia online auf Boulevard macht, ist kein Zufall: Blick und blick.ch haben dieses Feld in den letztem Jahren nicht mehr mit der früheren Konsequenz beackert und so Spielrum für Konkurrenz gelassen. Inzwischen will Ringier wieder zum harten Boulevard zurückkehren. Wie weit der gedruckte Tages-Anzeiger seiner Online-Schwester folgen wird, ist noch nicht entschieden. Heute bekannt sind lediglich Äusserungen von Tamedia-Leuten, wonach die Zeitung bei der Gewichtung der Artikel künftig auch die Zugriffszahlen auf die betreffenden Texte im Netz berücksichtigen soll.</p>
<p>Beim Newsnetz entscheiden heute nicht alleine die Zugriffszahlen über die Platzierung auf der Webseite. Denn würde nur noch geliefert, was häufig angeklickt wird, “dann sähe das Portal ziemlich anders aus”, so Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer. Der Einfluss des von 20minuten.ch übernommenen Redaktionssystems mit dem eindeutigen Namen “Content Dictator” ist aber nicht zu übersehen. Die Redaktion sieht auf Bildschirmen jederzeit, welche Artikel am meisten angeklickt werden.. Selbst Verleger Pietro Supino soll so einen Bildschirm im Büro haben. Den Werbern gefällt das offenbar, das Newsnetz ist auf gutem Weg, die Investitionsphase bald zu verlassen und so dem sich inzwischen selbsttragenden Portal 20min.ch zu folgen.</p>
<p>Newsnetz-Chefredaktor Peter Wälty sagte vor dem Projektstart der “Sonntagszeitung”: “Mit Sicherheit bleibt die Boulevardsau im Stall.” Und <a href="http://www.persoenlich.ch/news/show_news.cfm?newsid=78329">im Oktober 2008 auf persoenlich.com</a>: “Der Tagi-Leser unterscheidet sich fundamental vom Leser auf ‘20min Online’. Wir werden daher niemals in Versuchung geraten, einen ‘Tages-Anzeiger’ zu trivialisieren.” Doch das ist längst geschehen. Die Marke ist nämlich unteilbar, gerade jüngere Leser unterscheiden nicht mehr zwischen Print und Online.</p>
<p>Als Leser kann man die journalistische Traditionsmarken umkrempelnden Veränderungen nur verhindern, in dem man sich weigert, auf fragwürdige Infohäppchen zu klicken. Und online auch mal längere, gehaltvollere Texte liest. Auch die Werbewirtschaft muss sich fragen, ob sie langfristig einen Untergang von journalistischen Tugenden unterstützen will.</p>
<p>—</p>
<p><small>Dieser Artikel erschien am 1. April 2009 im Medienmagazin <em><a href="http://www.klartext.ch/">Klartext</a></em>.</small></p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Werbebranche bestimmt die Zukunft des Journalismus in der Printbranche</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 05:33:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronnie Grob</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedruckt]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

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		<description><![CDATA[Angesichts von sinkenden Auflagen haben die Werber die Zukunft des Journalismus in der Printbranche in der Hand. Geben Sie der kritischen Öffentlichkeit eine Chance oder geht es tatsächlich nur um die Quoten?

Die Auflagen der Printmedien gehen unter dem Druck des Internets zurück und damit auch die Einnahmen der Verlagshäuser. Im Dezember 2008 wurden gemäss ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Angesichts von sinkenden Auflagen haben die Werber die Zukunft des Journalismus in der Printbranche in der Hand. Geben Sie der kritischen Öffentlichkeit eine Chance oder geht es tatsächlich nur um die Quoten?</strong></p>
<p>Die Auflagen der Printmedien gehen unter dem Druck des Internets zurück und damit auch die Einnahmen der Verlagshäuser. Im Dezember 2008 wurden gemäss Wemf-Inseratestatistik in der Schweizer Presse <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=80089">11.5% weniger Anzeigen</a> als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs geschaltet. In allen Verlagen muss gespart werden &#8211; die angebliche Zeit, die Zeitungen noch zu Überleben bleiben soll, wird ständig verkürzt. Keine zehn Jahre mehr, sondern nur noch fünf Jahre gibt ihnen Marc Fisher, Redaktor der “Washington Post” (<a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/495/457156/text/">in einem Interview mit der “Süddeutschen Zeitung”</a>).</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/lemonpixel/246402687/"><img alt="Bild: CC Flickr m.p.3." src="http://farm1.static.flickr.com/86/246402687_cf433bc26c.jpg" title="Hier könnte Ihre Werbung stehen" width="500" height="375" /></a><br />
<small>Bild: CC Flickr <a href="http://www.flickr.com/photos/lemonpixel/246402687/">m.p.3.</a></small></p>
<p><span id="more-1077"></span>Redaktionsmitglieder sind überall unter Druck &#8211; von ihnen wird die gewohnte Qualität mit weniger Mitteln erwartet. Doch Abstriche müssen gemacht werden. So sagt “Baz”-Chefredaktor Matthias Geering über sein Blatt: “Die ‘Basler Zeitung’ vom Herbst 2009 wird nicht mehr die ‘Basler Zeitung’ von heute sein.” Auch andere Zeitungen werden immer dünner, die “NZZ” zum Beispiel wurde kürzlich in einer Kolumne als “Lose-Blätter-Sammlung” bezeichnet. Was tapfer als Lesergewinn verkauft wird, ist nichts anderes als ein unausweichlicher Abbau durch Einsparungen. Zuerst gespart wird an den kostspieligen Arbeitsvorgängen, also an aufwändigen Recherchen, an eingekauften Texten und an Reisen, die Spesen nach sich ziehen. Die ehemals stolze Tageszeitung bleibt im schlechtesten Fall ein fader Brei längst vermeldeter Agenturmeldungen, gewürzt mit vereinzelten, schmalen Eigenleistungen.</p>
<p>Online, wohin alle drängen und wo sich die Zukunft vieler Printprodukte entscheiden wird, gibt es noch nicht viel zu verdienen. Nicht mehr die anderen Zeitungen der Region sind die Konkurrenz, sondern alle Websites der Welt. Online wird nicht mehr nach Auflage, nach Reichweite oder nach Leserzahlen bezahlt, sondern nach Unique Clients, nach Visitors und nach Page Impressions. Gemessen werden die Klicks. Die Werbegelder fliessen bisher den Portalen mit den besten Zahlen, also Quoten, zu. Doch durch die ständige Analyse der Quoten und der damit einhergehenden Anpassung der Inhalte werden diese Portale zwangsläufig boulevardesker &#8211; nicht mehr die journalistische Relevanz zählt, sondern es ist die Klick-Quote, die zum zum alleinigen Gradmesser zu werden droht. “Die Leser wollen es so”, heisst es gerne von den Online-Redaktionen. Doch soll sich, nur weil die Klick-Quoten nun gemessen werden können, jede Publikation um Sex, Promis und Monster drehen, was, wie sich gezeigt hat, die Leser der Zeitungsportale am liebsten anklicken?</p>
<p>Bezahlmodelle im Internet, die Journalismus entlöhnen, haben sich bisher keine durchgesetzt. Teure Korrespondentenberichte der “NZZ”, für die im <a href="https://www.nzz.ch/mynzz/bestellung/order_2.jsf?product=NZZ/INLAND">Jahresabo</a> stolze 465 Franken zu bezahlen sind, können per Laptop oder Handy kostenlos konsumiert werden. Auch die Gratiszeitungen liefern kein Einkommen mehr von den Lesern &#8211; sie leben von der Werbung allein, von der sehr viel geschaltet werden muss, um die hohen Druck- und Vertriebskosten zu finanzieren.</p>
<p>Tyler Brûlé, erfolgreicher Herausgeber des englischsprachigen Edelmagazins “Monocle”, prophezeit (<a href="http://medienlese.com/2008/06/16/tyler-brule-prophezeit-entweder-primitiv-oder-supersmart/">im “Magazin”</a>) eine Zukunft mit nur noch zwei Marktsegmenten im Printbereich, nämlich (teuren) elitären Tageszeitungen und Magazinen mit klugen Analysen und Meinungen einerseits und (kostenlosem) Boulevardtrash mit gigantischer Auflage andererseits.</p>
<p>Um die gigantische Auflage zu erreichen, müssen die kostenlosen Produkte aggressiv an den Leser gebracht werden, denn die Konkurrenz um Aufmerksamkeit ist gross. Das geschieht auf Papier in Form von Gratiszeitungen, im Internet mit Boulevard-Portalen. Es zeichnet sich ab, dass beide Formen aus Kostengründen mit seriösem Journalismus je länger je weniger zu tun haben werden.</p>
<p>Von der sich rasch wandelnden Einkommenslage verunsichert, beschreiten bisher als verlässliche Journalismus-Produzenten bekannte Verlage wie Ringier und Tamedia vermehrt diesen Weg. Doch die Werbewirkung ist gar nicht gesichert. Mehr ständig klickende, unkonzentriert blätternde Leser laden zwar mehr Werbebanner und lesen mehr Seiten, doch welche Werbung tatsächlich interessiert, gar zu einem Kauf führt, ist nicht bewiesen.</p>
<p>Die Werbetreibenden sollten sich nicht von der durch Boulevard, SEO und Reizthemen herbeigeklickten Quantität an Klicks oder von fantastischen Gratiszeitungs-Leserzahlen überzeugen lassen, sondern sich auf das publizistische Produkt konzentrieren &#8211; mit einer kühlen Analyse, welche die Frage beantwortet, ob das zu bewerbende Produkt überhaupt in die meist nicht sehr seriöse Umgebung hineinpasst. </p>
<p>Im verzweifelten Bemühen, online Geld zu verdienen, und das sofort, werden immer mehr Portale ein schlechter Abklatsch des (längst lukrativen) Pioniers Spiegel Online. Damit wird die publizistische Vielfalt zerstört &#8211; ein abruptes Ende einer über Jahrzehnte aufgebauten Schreibkultur und Lesertreue. Man könnte verzweifeln ob der Einfallslosigkeit der hiesigen Verleger &#8211; doch bald hat man sich so daran gewöhnt, dass einen die in immer kürzeren Abständen vermeldeten Hiobsbotschaften kaum mehr berühren. Wer zu lange Patient ist, erhält irgendwann keinen Besuch mehr.</p>
<p>Die Zukunft des seriösen Journalismus liegt zu einem guten Teil in den Händen der Werbebranche. Denn es sind die Werber und Mediaplaner, die entscheiden, in welchem Umfeld sie ihre Produkte platzieren möchten. Weil im Printbereich bisher kaum oder nur sehr ungenau gemessen wurde, konnte die Privatwirtschaft ohne Hilfe des Staats Aufgaben wahrnehmen, die der Gesellschaft einen Mehrwert bieten. Mit einer ausschliesslichen Fixierung auf die Quote drohen viele über Jahrzehnte gewachsene Darstellungsformen zu verenden: Reportagen, investigative Recherchen, kritische Besprechungen aktueller Kultur, historische Betrachtungen, kurz, die vertiefte Auseinandersetzung mit Themen, die nicht auf dem Boulevard liegen, ist bedroht.</p>
<p>Die Begehrlichkeiten der Werbetreibenden, Inhalt und Werbung zu vermischen, werden von Jahr zu Jahr grösser. Doch unabhängiger Journalismus kann so nicht existieren. Wer überzeugt ist, ein gutes Produkt zu bewerben, hat es gar nicht nötig, in die redaktionellen Prozesse einzugreifen. Er setzt auf die Präsenz seines Produkts nicht in, sondern neben den journalistischen Inhalten. Und lässt dieses von unabhängigen Publizisten besprechen, ohne sich einzumischen. Das wird im Internet so oder so gemacht; die Wunschfantasie der kontrollierten Berichterstattung über ein Produkt ist durch die Demokratisierung der Medien, also zum Beispiel durch die Existenz von Blogs, Vergangenheit.</p>
<p>Wenn Journalismus, dieses wertvolle Gut der kritischen Öffentlichkeit, kein Vorrecht der vermögenden Klasse werden soll (was ja mal so war), dann müssen Werbegelder auch dorthin fliessen, wo die Leser nicht mit Sex und Sensationen geködert werden, wo keine Empörungsbewirtschaftung regiert. Dann müssen Werbegelder jenen Medien zufliessen, die von kritischen Konsumenten konsumiert werden. Die Produkte kaufen, weil sie davon überzeugt sind, und nicht, weil sie dazu überredet wurden. Ob online, auf Papier oder portabel, das spielt in Zukunft keine Rolle mehr. Die Mobilität macht nämlich weder vor den Inhalten noch vor der Werbung halt.</p>
<p>&#8212;</p>
<p><small>Dieser Artikel erschien <a href="http://www.werbewoche.ch/werbewoche/printausgabe/content-170879.html">in redigierter Form</a> am 26. März 2009 in der <em>Werbewoche</em>.</small></p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Revolution der Inhalte</title>
		<link>http://blog.ronniegrob.com/2009/03/06/die-revolution-der-inhalte/</link>
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		<pubDate>Fri, 06 Mar 2009 12:57:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronnie Grob</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedruckt]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Weisheit der Vielen]]></category>

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		<description><![CDATA[Nahezu kostenlose Produktionsmittel sowie eine wachsende Transparenz im Internet beflügeln Demokratie und Wettbewerb. Die Expertokratie sieht sich gegenüber einer den Umgang mit Inhalten revolutionierenden “Weisheit der Vielen”.

“Everyone should have a blog. It's the most democratic thing ever.”
Jessica Cutler, Bloggerin

Das Internet hat unser Leben in den letzten Jahren verändert wie keine andere Erfindung. Die online ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nahezu kostenlose Produktionsmittel sowie eine wachsende Transparenz im Internet beflügeln Demokratie und Wettbewerb. Die Expertokratie sieht sich gegenüber einer den Umgang mit Inhalten revolutionierenden “Weisheit der Vielen”.</strong></p>
<p><small>“Everyone should have a blog. It&#8217;s the most democratic thing ever.”<br />
Jessica Cutler, Bloggerin</small></p>
<p>Das Internet hat unser Leben in den letzten Jahren verändert wie keine andere Erfindung. Die online verbrachte Zeit steigt ständig an, am Bürotisch, am heimischen Schreibtisch und unterwegs, am Laptop und mit dem Mobiltelefon. Es vernichtet laufend Arbeitsplätze und schafft neue hinzu. Endlos ist die Liste der Branchen, die ihre Kunden ins Internet abwandern sehen. Vor allem betroffen sind Dienstleistungsbranchen, die sich als Vermittler und Berater zwischen das Produkt und den Kunden gestellt haben: Reisebüros, Buchläden, CD-Läden schliessen reihenweise wegen Kundenmangel. Längerfristig betroffen sind, kurz gesagt, alle, die etwas anbieten, das es im Internet günstiger oder gar gratis gibt.</p>
<p>Stark betroffen vom Wandel sind auch die Anbieter von Information, also die Medienbranche. Vor allem westliche Zeitungen kämpfen gegen den durch den Einbruch der Leserzahlen generierten Bedeutungsverlust. Grund des Einbruchs sind technische Neuerungen, welche die bisherigen Monopole zerstören.</p>
<p><span id="more-931"></span><strong>Demokratisierte Produktionsmittel</strong></p>
<p>In einem ersten Schritt geschah das durch die Demokratisierung der Produktionsmittel, also durch das Aufkommen von Digitalkameras, Weblogs, Podcasts. In einem zweiten Schritt durch die Demokratisierung der Publikationsmittel, also durch kostenloses Hochladen von Fotos, Videos, Texten bei Portalen wie <a href="http://www.flickr.com/">Flickr</a> (Fotos) oder <a href="http://www.youtube.com/">YouTube</a> (Videos), durch Bloghoster wie <a href="http://de.wordpress.com/">WordPress</a>. Diese neuen Medien sind nicht am TV, am Kiosk oder am Radio zu finden, aber sie sind im Internet. Jeder, der will, kann dort Fotograf, Filmer, Schreiber, Radiomensch sein.</p>
<p>Die von Karl Marx geforderte Revolution des Proletariats, das Privateigentum an Produktionsmitteln aufzuheben, scheint im Internet auf den ersten Blick bereits heute nahezu verwirklicht. Nur noch wenige Software ist nicht frei verfügbar, ausschliessliche Bezahlmodelle haben sich kaum durchgesetzt. Die meisten der neuen Web-Angebote liefern die Grundleistung frei; bezahlt werden Zusatzfunktionen, den Rest finanziert die Werbung.</p>
<p>Auf den zweiten Blick wird klar, dass dem Nutzer die Publikations-Werkzeuge und der Lagerplatz für die erstellten Daten nur geliehen werden, denn alle produzierten Daten gehören im Zweifelsfall dem, der den Speicherplatz zur Verfügung stellt (viele Nutzer akzeptieren allgemeine Geschäftsbedingungen ungelesen). Doch auch diese Einwände könnten von technischen Neuerungen weggespült werden. Oder sind es bereits für alle, die auf ihren eigenen Servern publizieren.</p>
<p>Die grunddemokratischen Züge einzelner Webprojekte sind nicht jedoch nicht zu übersehen. Ein englischer Fussballverein wurde 2008 von über 21.000 Internetnutzern aus 70 verschiedenen Ländern für 600.000 englische Pfund aufgekauft. Die auf <a href="http://myfootballclub.co.uk/">myfootballclub.co.uk</a> organisierten Nutzer zahlten je 35 Pfund ein und besitzen nun 75% von Ebbsfleet United, deren erste Mannschaft in der fünften englischen Liga spielt. Die neuen Teilhaber nehmen Einfluss auf die Aufstellung, die Transfers, alle wichtigen Entscheidungen. Da nun plötzlich eine Menge Geld bereitsteht für Spielerkäufe, müsste der Aufstieg in die nächst höhere Liga nur eine Frage der Zeit sein.</p>
<p>Das ist nur ein Beispiel von vielen und ob der Wunsch, den vom Geld von Einzelpersonen abhängigen Profifussball zu verändern, in Erfüllung gehen oder im Chaos enden wird, ist ungewiss. Man wusste auch nichts über die Erfolgschancen der 1998 gegründeten Suchmaschine Google, des nutzergenerierten Online-Lexikons Wikipedia 2001, des Videoportals Youtube 2005. Doch diese Websites haben es geschafft, sich in die nur schwer zu knackenden Gewohnheiten der trägen Menschheit einzugliedern. Nicht bei allen, aber doch bei vielen.</p>
<p><strong>Die “Weisheit der Vielen”</strong></p>
<p>In der Frage, wie die Ware Information erstellt werden soll, haben sich zwei Fronten herauskristallisiert. Die einen sind die, die in die Weisheit der Vielen vertrauen: Sie glauben, dass sich die Inhalte in einem offenen Veränderungsprozess herausstellen. “<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Weisheit_der_Vielen">Die Weisheit der Vielen</a>”, im Original “<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Wisdom_of_Crowds">The Wisdom of Crowds</a>”, ist ein 2004 erschienenes Buch von James Surowiecki, Journalist beim “New Yorker”. Darin wird dargelegt, warum Gruppen Probleme effektiver lösen als Einzelne. In der Vorbemerkung zum Buch heisst es darum: “Die Menge entscheidet intelligenter und effizienter als der klügste Einzelne in ihren Reihen. Experten und Meinungsführer sind demnach Auslaufmodelle. Vorausgesetzt, die Gruppe ist gross und vielfältig, weiss, dass ihre Meinung zählt, und jeder Einzelne in der Gruppe denkt und handelt unabhängig.”</p>
<p>Die anderen sind die Elitisten: Sie glauben, eine gut gebildete Elite (zu der sie in der Regel gehören) soll als Torwächter entscheiden, welche Inhalte auf das Volk losgelassen werden können. Konkret wird entschieden, ob ein Text so in der Zeitung gedruckt werden kann. Ob die Bürger erfahren dürfen, was Nationalrat X “off the record” gesagt hat. Wie Ergebnisse von Recherchen aufbereitet werden. Da viele Inhalte nur entstehen können durch gegenseitige Rücksichtnahme, ist die Gefahr von Interessenskonflikten gross.</p>
<p>Die Elitisten weisen darauf hin, dass Inhalte, die lesenswert, verlässlich und verantwortungsbewusst sind, nicht einfach so entstehen, sondern dass diese bezahlt werden müssen. Die Frage, wie Inhalte finanziert werden im Internet, ist tatsächlich alles andere als abschliessend geklärt. Doch auch die bisher funktionierenden journalistischen Modelle sind in Bedrängnis geraten &#8211; die etablierten Medienangebote werden mit jeder Sparrunde an Qualität einbüssen.</p>
<p>Es gibt einen grossen Unterschied zwischen den beiden Sichtweisen. Der Elitist sagt über seinen Inhalt, zurecht, er habe ihn mit Fleiss erstellt, unter Ausschöpfung seiner Intelligenz und Ausbildung. Zudem habe er die wichtigsten Leute befragt, die wichtigsten Quellen ausgeschöpft. Kurzum, er habe ihn nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Mit der Abgabe des Inhalts sieht er seine Verantwortung wahrgenommen, den Prozess abgeschlossen.</p>
<p>Doch an diesem Punkt fängt die Geschichte für jene, die an die Weisheit der Vielen glauben, erst an, spannend zu werden. Rund um den erstellten Inhalt bildet sich im Internet nämlich sofort ein Spektrum von Möglichkeiten &#8211; er wird je nach dem modifiziert, bewertet, kommentiert, zitiert oder verlinkt. Entweder direkt am Ausgangspunkt oder auf anderen Websites, die ihn per RSS-Feed bei sich aufnehmen. Diese Aktionen haben einen Einfluss auf die Resonanz &#8211; wird er überhaupt aufgefunden oder wandert er wieder in den Orkus? Ob er den Nutzer erreicht, hängt davon ab, welchen Filter von diesem angewendet wird. Da jeder Inhalt mit der Erstellung in der Regel auch archiviert ist, kann das auch nach Jahren noch erfolgen.</p>
<p><a href="http://www.buzzmachine.com/">Jeff Jarvis</a>, Professor an der Graduate School of Journalism, sagt es so: &#8220;My readers know more than I do&#8221;. Durch die Rückmeldungen aus dem Internet hat der Inhalt die Möglichkeit, zu wachsen und so an Qualität zu gewinnen. Wer einen Artikel bei Wikipedia einstellt, kann erleben, wie das ganz ohne eigenes Zutun geschieht und möglicherweise gegen den eigenen Willen. Im besten Fall aber profitiert der Inhalt von Einwänden und Vorschlägen, die ohne dieses weltumspannende Netz, bei dem jeder vor seinem Terminal sitzt und dort seinen Beitrag leistet, wo es ihm sinnvoll erscheint, niemals möglich gewesen wären. Wer schon mal im Team gearbeitet hat, weiss, dass zu viele Köche den Brei verderben können. Sie können ihn aber auch besser machen. Oft geht es nur darum, dass man etwas lernt aus den Rückmeldungen. Und es das nächste Mal besser machen kann.</p>
<p><strong>Wettbewerb und Demokratie</strong></p>
<p>Zusammenfassend kann man sagen, dass das Internet mehr Wettbewerb und mehr Demokratie mit sich bringt. Mehr Wettbewerb darum, weil es trotz dem Verschwinden einiger Marken mehr Produzenten gibt (die um weniger Gelder kämpfen). Zudem kann und wird alles bis ins kleinste Detail ausgemessen (was ökonomische Folgen mit sich bringt). Mehr Demokratie darum, weil alle ihren Einfluss geltend machen können, unabhängig von Herkunft, Kontostand, Beziehungsnetz. Wer seine Stimme erhebt, erreicht durch das Internet die zumindest potentielle Weltöffentlichkeit. Dank Filtern, denen ausgeklügelte, sich bisher noch im Frühstadium befindliche Bewertungsmechanismen zugrunde liegen, hat Qualität, so individuell sie auch bewertet wird, mehr Chancen denn je, sich durchzusetzen. Auch von regulierenden Eingriffen der verlustreichen Industrien und der überforderten Behörden konnte sich das Internet bisher meist durch schnell erarbeitete Innovationen entziehen.</p>
<p>Die mit dem Internet ausgelöste Revolution kommt von unten: Initiiert von Informatikern, zum Teil aus Entwicklungsländern, aufgenommen von den frühzeitigen Anwendern aus der ganzen Welt, den &#8220;Early Adopters&#8221;, und kommerziell unterstützt von Investoren mit Profitabsichten. Oder von Spendern, wie bei der Wikimedia, dem Verein hinter der &#8220;freien Enzyklopädie&#8221;. Während sich immer noch Leute über die Wikipedia lustig machen, weil ab und zu Details nicht stimmen oder ganze Spassartikel unentdeckt vor sich hingammeln, werden die Billig-Laptops für die dritte Welt, dem sogenannten 100-Dollar-Laptop, standardmässig mit einer Momentaufnahme der Wikipedia ausgestattet. Was den Millionen von Kindern, die vom Internet abgeschottet sind, Wissen bringt. Schafft es also ein kleiner Verein, was millionenteure Entwicklungsprojekte nicht hinkriegen, nämlich das aktuelle Wissen der Welt in Englisch, Hindi, Suaheli oder auf Arabisch den Kindern der Welt zur Verfügung zu stellen?</p>
<p>Die Elite, &#8220;eine Auslese darstellende Gruppe von Menschen&#8221;, wie es im Duden heisst, kann mit den neuen Möglichkeiten täglich neu zusammengestellt werden, in den verschiedensten Kategorien, aufgefunden durch die verschiedensten Filter. Haben sich nicht alle Revolutionäre immer gewünscht, dass die Macht verteilt wird? Dass niemand alleine die Führung der Welt übernimmt, sondern wir alle gemeinsam? Nun ist die Möglichkeit durch die technologische Innovation da, und sie wird genutzt werden. Es ist nicht mehr die Ohnmacht des Einzelnen gegenüber dem System, sondern das genaue Gegenteil. Ein Einzelner, wird er denn unterstützt, kann ein ganzes System beeinflussen. Das konnte er zwar schon vorher, aber so leicht wie durch das Internet wurde es ihm noch nie gemacht. Barack Obama ist der erste Präsident dieser Bewegung, die sich nicht klar umreissen lässt, sich aber mit Entschiedenheit einer bedingungslosen Transparenz verschrieben hat. Was anderes erlaubt das Internet auch gar nicht.</p>
<p>&#8212;</p>
<p><small>Dieser Artikel erschien in redigierter Form unter dem Titel &#8220;<a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/medien/das_internet_foerdert_die_demokratie_1.2150453.html">Das Internet fördert die Demokratie &#8211; Warum die Menge intelligenter und effizienter als Eliten entscheidet</a>&#8221; am 6. Februar 2009 in der <em>Neuen Zürcher Zeitung</em>.</small></p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Leserreporter werden wichtiger</title>
		<link>http://blog.ronniegrob.com/2008/07/20/leserreporter-werden-wichtiger/</link>
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		<pubDate>Sun, 20 Jul 2008 12:34:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronnie Grob</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedruckt]]></category>
		<category><![CDATA[20 Minuten]]></category>
		<category><![CDATA[Boulevardmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Leserbild]]></category>
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		<category><![CDATA[Sonntagszeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn heutzutage etwas Unvorhergesehenes vorfällt, dann sind Journalisten oft die Letzten vor Ort. Wo auch immer etwas passiert, wartet eine Armee von Hobbyfotografen, um auf den Auslöser zu drücken. Wer die Digitalkamera nicht dabei hat, der zückt das Handy: Fotos, Tonaufnahmen, kurze Filme in annehmbarer Qualität - alles kein Problem mehr für den durchschnittlichen ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn heutzutage etwas Unvorhergesehenes vorfällt, dann sind Journalisten oft die Letzten vor Ort. Wo auch immer etwas passiert, wartet eine Armee von Hobbyfotografen, um auf den Auslöser zu drücken. Wer die Digitalkamera nicht dabei hat, der zückt das Handy: Fotos, Tonaufnahmen, kurze Filme in annehmbarer Qualität &#8211; alles kein Problem mehr für den durchschnittlichen Passanten.</p>
<p><a href='http://blog.ronniegrob.com/wp-content/uploads/papst-weltjugendtag.jpg'><img src="http://blog.ronniegrob.com/wp-content/uploads/papst-weltjugendtag.jpg" alt="" title="DEUTSCHLAND WELTJUGENDTAG BESUCH PAPST" width="450" height="336" class="aligncenter size-full wp-image-214" /></a><br />
<em>Gläubige machen Fotos von Papst Benedikt am Weltjugendtag in Köln 2005. Foto: Keystone AP Reuters, Michael Dalder</em></p>
<p>Die Medien, vor allem die Boulevardmedien, sind angewiesen auf diese Bilder, denn auch ein schlechtes Bild von einem abstürzenden Flugzeug ist besser als gar kein Bild. Bei Ereignissen stürmt jeweils eine wahre Welle von Fotos auf die Redaktionen ein. Hansi Voigt, Chefredaktor von 20min.ch, sagt: “Ist in der Schweiz irgendwo ein Tramunfall, bekommen wir fast sicher ein Bild davon. Bei einer Überflutungskatastrophe erhalten wir gegen 2000 Bilder. Ist jedoch an einem Tag nichts los, bleibt es bei einem oder zwei Fotos.”</p>
<p><span id="more-213"></span>Den Lesern wird für die Verwendung der Bilder ein Standardbetrag angeboten: Der “Blick”, der täglich mindestens ein Leserbild veröffentlicht, bietet 100 Franken für den Abdruck eines Bilds und kassiert dafür alle Rechte daran. “20 Minuten” bietet ebenso viel, offeriert jedoch, einen allfällig bei einem Weiterverkauf erhaltenen Erlös mit dem Fotografen zu teilen. Nur 50 Franken will espace.ch zahlen, die Internet-Plattform der “Berner Zeitung”. Für ein schönes Bild eines Sonnenuntergangs mag das angemessen sein, aber wer ein sensationelles Bild zu verkaufen hat, lässt sich kaum mit diesem Betrag abspeisen und versucht, das Maximum in Verhandlung mit der Redaktion herauszuholen.</p>
<p>Andere Zeitungen machen ihr Interesse an Leserbildern nicht publik. Eine Anfrage in der Bildredaktion der “NZZ” ergibt, dass es sozusagen nie vorkommt, dass Leser der “NZZ” ihre Bilder anbieten &#8211; so werden die Konditionen jedesmal neu ausgehandelt. Der “Tages-Anzeiger” bietet seinen Lesern für einen Abdruck in der Printausgabe den Betrag, der in der Regel für ein Archivbild bezahlt wird: 200 Franken.</p>
<p>Journalistische Gepflogenheiten sind Sache der Reporter. So bittet der “Blick” darum, “bei Aufnahmen von Personen die Privatsphäre zu respektieren”. Nicht ohne Grund, denn Leserreporter können aufdringlich sein und fotografieren auch mal bekannte Fussballspieler, die kurz austreten. Kritische Stimmen warnen davor, dass bei einem Unfall zuerst geknipst und dann geholfen werden könnte &#8211; die deutsche “Bild” zahlt immerhin 500 Euro für ein abgedrucktes Foto.</p>
<p>Hansi Voigt publiziert keine Bilder von Prominenten, die offensichtlich ungewollt abgelichtet wurden. Doch wichtig sind ihm Leserbilder schon. Und sie werden immer wichtiger, denn jeder, der ein Foto macht, ist auch ein Augenzeuge. Mit ihm klärt man die Umstände des Bilds. Veröffentlicht wird es, nachdem man eine zweite Quelle hinzugezogen hat.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/multimedia/artikel-detailseite/?newsid=33626">in redigierter Form in der &#8220;Sonntagszeitung&#8221; vom 20.07.2008</a>.</em></p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wie ich zum Bloggen kam</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Jun 2008 05:00:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronnie Grob</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedruckt]]></category>
		<category><![CDATA[Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ Folio]]></category>
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		<description><![CDATA[Als ich im Sommer 2002 erstmals in einem Weblog las, wusste ich nicht, was ein Weblog ist. Mit irgendeiner Suchanfrage stiess ich auf das Blog eines noch nicht zwanzigjährigen Schülers aus Bayern, der fast täglich neue Texte, Bilder und Links bereitstellte. Weil das Lesen Spass machte, hatte ich bald alle Monate, in denen er ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich im Sommer 2002 erstmals in einem Weblog las, wusste ich nicht, was ein Weblog ist. Mit irgendeiner Suchanfrage stiess ich auf das Blog eines noch nicht zwanzigjährigen Schülers aus Bayern, der fast täglich neue Texte, Bilder und Links bereitstellte. Weil das Lesen Spass machte, hatte ich bald alle Monate, in denen er bisher geschrieben hatte, durchgelesen und stiess durch die bereitgestellten Links auf andere, neue, spannende Seiten, die ich alleine wohl nie gefunden hätte.</p>
<p>Im August entdeckte ich dann einen Ameisenhaufen. <a href="http://www.antville.org/">Antville.org</a> hiess die Website, auf deren Unterseiten die verschiedensten Leute ihre Blogs führten. Ohne lange nachzudenken, eröffnete ich bald auch ein Blog &#8211; weil es so einfach war. Eine eigene Homepage einzurichten lag ja schon immer ausserhalb meiner Möglichkeiten, da es mir nicht nur an HTML-Kenntnissen fehlte, sondern auch, weil ich einen Server weder bezahlen noch einrichten wollte.</p>
<p><a href='http://blog.ronniegrob.com/wp-content/uploads/nzz-folio-ronnie-grob.png'><img src="http://blog.ronniegrob.com/wp-content/uploads/nzz-folio-ronnie-grob.png" alt="Artikel im NZZ Folio" title="Artikel im NZZ Folio" width="422" height="497" class="aligncenter size-full wp-image-201" /></a><br />
<small>Bild: Screenshot des Artikels &#8220;<a href="http://www.nzzfolio.ch/www/21b625ad-36bc-48ea-b615-1c30cd0b472d/showarticle/22b6d27f-b2d4-480a-8968-70c054313581.aspx">Jeder ein Chefredaktor</a>&#8221; im <em>NZZ Folio</em>.</small></p>
<p>Nun war ich der Boss. Chefredaktor und Herausgeber meines eigenen Mediums. Ausser den geltenden Gesetzen niemandem unterworfen. Kosten? Keine. Einnahmen? Auch keine. Unerwünschte Kommentare? (In meinem Blog) jederzeit löschbar. Das publizistische Konzept? Gab es keines. Ich schrieb anonym und war weder Kunden noch Investoren verpflichtet. Ich veröffentlichte dann, wann ich wollte und schrieb über das, was ich wollte. Redigatur und Korrektur waren mir Fremdwörter; vor mir lag nur ein Eingabefeld, das eine unbeschränkte Anzahl Buchstaben aufnahm, so wie ein grosses, noch unbeschriebenes Buch.</p>
<p>Schon am zweiten Tag, in meinem dritten Beitrag, schrieb ich: “so einen weblog zu führen, mag ja vielen zielen dienen, doch vor allem einem: der befriedigung der eigenen eitelkeit. man möchte, dass andere menschen zuhören, lesen, anteil nehmen, mit einem lächeln nicken, sich über einen link tierisch freuen, kurzum, den schreiber cool finden.” Genau so schrieb ich das, in Kleinschrift, denn ich konnte es mir leisten, die Unterscheidung von Klein- und Grossschreibung zu ignorieren (ich fand damals Kleinschreibung “moderner und schöner”). Es gab niemanden, dem ich Rechenschaft schuldig war, noch nicht mal einen Leser.<br />
<span id="more-200"></span><br />
Doch die Leser kamen dann plötzlich, überraschend. Es wurden Kommentare abgegeben zu meinen Beiträgen, Hinweise gesetzt auf anderen Websites. Mehr noch als Schreiber war ich als Leser aktiv. Ich fand mich wieder in den Gedankenströmen von allerlei Leuten, mit denen ich nie und nimmer in Kontakt gekommen wäre. Las Texte, die niemand abgedruckt hätte. Geriet auf Websites, an deren Existenz ich nicht mal gedacht hätte. Neue Interessensgebiete öffneten sich. Design, Architektur, Fotografie, Kunst &#8211; damit hatte ich bis dahin gar nicht viel zu tun gehabt.</p>
<p>Mit Interesse verfolgte ich den dokumentierten ersten Besuch eines Bloggers und seiner Frau in einem Swingerclub. Wartete auf die neuen Bilder des Hobbyfotografen, die so gut waren, dass ich jederzeit eine Ausstellung besucht hätte. Fühlte mich ein in präzis beschriebene gesundheitliche Probleme. Lachte über Blogger, die wegen Nichtigkeiten aneinandergeraten waren. Beteiligte mich an Debatten. Ich las und lernte.</p>
<p>Nach einiger Zeit verfolgte ich etwa so viele Blogs, wie ich selbst Leser hatte, vielleicht fünfzig. Ich studierte oder überflog Einträge von Journalisten, Ärzten, Studenten, Informatikern, Schriftstellern, Hausfrauen, die alle eines verband: Die Freude am Erstellen und Teilen von Inhalten. Wobei niemand so genau wusste, wer wen kannte &#8211; schliesslich las jeder anonym mit und erst ein Kommentar gab Aufschluss darüber, wer mitlas.</p>
<p>Die Hürde, um einzutreten, war nicht mehr als ein Nickname und eine E-Mail-Adresse. Und doch kannte ich bald Namen, Gesichter, Städte, Freunde, Liebhaber, Gesinnungen, Hobbys, Talente. Es überraschte mich, wie mir fremde Leute aus anderen Ländern zu sowas wie guten Freunden wurden. Die Interaktion geschah durch die Inhalte &#8211; ein stiller Transfer von der einen zur anderen Person am Computer. Anders als bei Journalismus und bei Literatur nicht um Wochen und Jahre verzögert, sondern beinahe sofort.</p>
<p>Ich kaufte mir Bücher und elektronische Geräte. Sah Filme und kaufte Zeitschriften. Guckte Fernsehsendungen und las neue Blogs. Bestellte Schuhe. Warum? Weil sie mir von geschätzten Bloggern empfohlen wurden, von denen ich wusste, dass sie Stil und Geschmack hatten (ich verfolgte doch ihre Äusserungen schon über Monate Tag für Tag). Im Gegensatz zur Werbung und zu redaktionellen Empfehlungen machten mir diese doch zumeist anonymen Hinweise einen persönlicheren Eindruck.</p>
<p>Live lernte ich Blogger erst viel später kennen. Sie waren, und das überraschte mich anfangs, meist genau so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Die geliebten Blogs wurden von mir sympathischen Menschen verfasst, die ungeliebten von solchen, die ich nicht mochte. Blogger, die online nur da und dort einen schüchternen Kommentar abgaben, taten das auch in der geselligen Runde so. Wie der Redefluss von Bloggern, die zu jedem Eintrag ihren Senf hinzugaben, kaum zu stoppen war.</p>
<p>Die neue Beschäftigung evozierte neue Gefühle der Verbundenheit. Vor genau fünf Jahren, am 03.06.2003, schrieb ich: “jemanden von der linkliste entfernen ist eine entscheidung wie die entscheidung, jemandem dieses jahr keine weihnachtskarte mehr zu schreiben &#8211; eine zu treffen unmögliche.” Etwas absurd, so aus der Distanz betrachtet, doch mit der Linkliste, auch Blogroll genannt, legen viele Blogger ihren Lesern andere Blogs ans Herz. Es sind ernstgemeinte Empfehlungen anderer publizistischer Angebote; eine Aktion, die kommerziell orientierte Unternehmungen, ängstlich, die Konkurrenz zu stärken, nur im Notfall ausüben.</p>
<p>Es gab aber auch andere Arten, mehr über Besucher herauszufinden: Tracking-Tools. Detailiert wird dort der einzelne Weblog-Leser ausgewiesen. IP-Nummer, Uhrzeit des Besuchs, Provider, Stadt, Land, benutzter Browser &#8211; das alles kann statistisch festgehalten und in den verschiedensten Formen begutachtet werden. Was bei mir schnell Einzug in den Alltag fand. Ich wollte wissen, welcher Eintrag gut ankam. Zu welcher Uhrzeit die besten Chancen bestanden, auf viele Leser zu stossen. Und abends im Bett fragte ich mich, wer das bloss war, der fast täglich in Spanien mein Weblog aufsuchte.</p>
<p>Anders als Roger Schawinski, der als ehemaliger Senderchef von Sat.1 jeden Morgen den Einschaltquoten entgegenfieberte, muss ein Blogger nie auf Zahlen warten. Sie sind jederzeit verfügbar. Und es kann aufregend sein, mitzuverfolgen , wie sich die gewohnten Besucherzahlen plötzlich verzehnfachen, nur weil ein unerwarteter Link eines viel gelesenen Blogs neue Leser anspült.</p>
<p>Viele Blogger, vor allem Bloggerinnen, kümmern Besucherzahlen aber überhaupt nicht. Sie schreiben, um Freunde und Verwandten über ihre Asienreise auf dem Laufenden zu halten. Weil sie die Freude an einem Hobby mit anderen teilen möchten, sei es das Schneidern von Kleidern, die Fotografie oder der Golfsport. Weil sie etwas zu schreiben haben. Charles Bukowski schrieb: &#8220;Ich brauchte das Schreiben als Ventil, als Unterhaltung, als Befreiung. Als Sicherheit. Ich brauchte sogar die verdammte Arbeit, die es mir machte.&#8221;<br />
&#8212;<br />
<strong>Weblogs</strong></p>
<p>Schon Goethe riet seiner Schwester: &#8220;Schreibe nur, wie du reden würdest, und so wirst du einen guten Brief schreiben.&#8221; Und so machen es viele, die im Internet die Möglichkeit entdeckt haben, kostenlos ein Weblog (Internet-Logbuch, kurz: Blog) zu führen. Sie schreiben Briefe, die an alle und an niemanden gerichtet sind. Briefe, die nicht aufsässig sind, denn es muss sie niemand lesen. Sie müssen weder aufgerissen noch entsorgt werden; bei Interesse sind aber jederzeit verfügbar. Die unbestellten Veröffentlichungen im Internet polarisieren aber dennoch. Während einige bald Suchttendenzen aufzeigen, sobald sie mit bloggen begonnen haben, ist es anderen nicht egal, dass sich Leute anmassen, Banalitäten ins Internet stellen.</p>
<p>Ein Weblog zu definieren ist gar nicht so einfach. Zumeist ist es in einzelne Beiträge gegliedert, deren aktuellster jeweils zuoberst steht und dann mit neuen Beiträgen gegen unten verschwindet. Was drin steht und wie es gestaltet ist, ob es eine Kommentarmöglichkeit aufweist, ob Links zu anderen bestehen, ob es alleine geführt wird oder im Verbund &#8211; das liegt alles in der Verantwortung des Bloggers (dem Herausgeber und Chefredaktor eines Blogs). Betrieben wird es entweder auf einer eigenen Domain (http://blog.ronniegrob.com) oder auf der eines Anbieters (http://ronniegrob.wordpress.com). Wer letzteres wählt, kann nach zwei Minuten losbloggen &#8211; die Eröffnung eines Blogs ist so simpel wie das Einrichten einer E-Mail-Adresse.</p>
<p>Gebloggt wird aus den verschiedensten Gründen: Aus Freude am Schreiben, um Geld zu verdienen, um seine Freunde auf dem Laufenden zu halten, als PR in eigener Sache, um als Organisation nach aussen zu kommunizieren. Ein Blog kann alles mögliche sein und es ist gut möglich, dass der Begriff so rasch, wie er aufgekommen ist, auch wieder verschwindet. Die Tätigkeit an sich wird sowohl unter- als auch überschätzt. Schon ein kurzer Beitrag kann eine PR-Katastrophe oder einen Imagegewinn auslösen. Oder die Abmahnung eines Anwalts. Wiederum sind viele Blogger schon jahrelang aktiv, ohne dass davon eine grössere Gruppe Notiz nehmen würde.</p>
<p>Eines der ältesten noch immer existierenden Blogs ist “<a href="http://www.scripting.com/">Scripting News</a>” von Dave Winer, das am 01.04.1997 mit einem Beitrag startete, der 99 Wörter und zwölf Links umfasste. Es wurde im vergangenen halben Jahr von etwa 2300 anderen Websites verlinkt und gehört darum in die Gruppe der 500 einflussreichsten Blogs. Rund zehn mal so viele Links zählt der Linkzähldienst Technorati für die “<a href="http://www.huffingtonpost.com/">Huffington Post</a>”, ein 2005 gegründetes politisches Gemeinschaftsblog, das zurzeit die Liste anführt und in kurzer Zeit zu einem wichtigen Meinungsmacher geworden ist.</p>
<p>Anders als in der USA, wo Blogger zu Pressekonferenzen eingeladen werden, ist die Schweiz noch immer mehr oder weniger ein Entwicklungsland. Mit einigen prominenten Bloggern wie Bundesrat <a href="http://moritzleuenberger.blueblog.ch/">Moritz Leuenberger</a>, TV-Moderator <a href="http://aeschbacher.blog.sf.tv/">Kurt Aeschbacher</a>, Politikwissenschaftler <a href="http://www.stadtwanderer.net/blog/">Claude Longchamp</a>, PR-Berater <a href="http://www.stoehlker.ch/weblog/">Klaus J. Stöhlker</a>. Sogar Christoph Blocher, der keinen Computer bedienen kann oder will, gibt wöchentlich in einem <a href="http://www.teleblocher.ch/">Videoblog</a> erscheinende Interviews.</p>
<p><em>Diese beiden Texte erschienen <a href="http://www.nzzfolio.ch/www/21b625ad-36bc-48ea-b615-1c30cd0b472d/showarticle/22b6d27f-b2d4-480a-8968-70c054313581.aspx">in redigierter Form im NZZ Folio vom 02.06.2008</a>, das sich in der Juni-Ausgabe der Suche nach &#8220;<a href="http://www.nzzfolio.ch/www/61554707-6925-4a17-854b-b42244d0559d/showbooklet/f0d529cb-be30-430e-b255-2512f466ebe7.aspx">Perlen aus dem Internet</a>&#8221; verschrieben hat.</em></p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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