Archiv der Kategorie ‘Gesellschaft‘

 
 

Peter Sloterdijk:
Die grosszügige Seite der Steuerzahler

Die grosszügige Seite der Menschen, dass sie als Steuerzahler Geber sind, wird nie gewürdigt, in keiner einzigen Situation. Dass wir alle Sponsoren sind. Die Besserverdienenden haben ja das Privileg, dass sie Jahr für Jahr die Hälfte ihres Einkommens abgeben (dürfen). Aber sie werden wie Verbrecher behandelt, wenn sie davon eigenmächtig einen Abzug tätigen. Wir müssen das ganze sozialpsychologische Feld vollkommen umstellen, damit man sieht, was für eine unglaubliche Leistung der moderne Steuerstaat erbracht hat, als er mit einer Staatsquote von 50% Jahr für Jahr leben kann, ohne einen Bürgerkrieg auszulösen. Das ist eine sozialpsychologische Leistung, vor der unsere Vorfahren sprachlos stehen würden. Die hatten diesen berühmten Zehnten, dessentwegen es schon Aufstände gegeben hat. Und unsere Nachfahren werden das auch bewundern. (1:12 - 2:06 Minuten von Teil 6)

Das ist nur eine der vielen interessanten Stellen. Das gesamte Gespräch von Oktober 2008 mit Frank A. Meyer gibt es auf YouTube in 7 Teilen. Nach Teil 1 der Serie einfach weiterklicken…

“And there is a big white Harley Davidson up there with my name on it. And I know that.”


Wrestling For Jesus from Nathan Clarke on Vimeo.

Ein Experiment mit Genussmitteln


Foto: CC Flickr, Moe

Wie wirken sich Genussmittel eigentlich auf unseren Körper aus? Honoré de Balzac erzählt davon:

Ich möchte Ihnen das Ergebnis eines Londoner Experiments mitteilen, das für die uns beschäftigenden Fragen entscheidend ist und für dessen Wahrheit mir zwei glaubwürdige Leute bürgen, ein Gelehrter und ein Politiker.

Die englische Regierung hat es drei zum Tode Verurteilten freigestellt, sich entweder nach der in diesem Lande üblichen Prozedur hängen zu lassen oder sich ausschliesslich von Tee beziehungsweise von Kaffee oder Schokolade zu ernähren, ohne irgendein anderes Nahrungsmittel zu sich zu nehmen oder eine andere Flüssigkeit zu trinken. Die drei Narren akzeptierten den Handel. Vielleicht hätte jeder Verurteilte an ihrer Stelle so gehandelt. Da alle drei Lebensmittel mehr oder weniger Chancen boten, haben sie die Wahl dem Los überlassen.

Der Schokoladenmann starb nach acht Monaten.

Der Kaffeemann brachte es auf zwei Jahre.

Der Teemann verstarb erst nach drei Jahren.

Ich hege den Verdacht, dass die Indische Kompanie das Experiment im Interesse ihres Handels stimuliert hat.

Kann man Balzac die Geschichte glauben?

Ab hier bitte nur weiterlesen, wer über einigermassen starke Nerven verfügt (und das Zitat nicht mit meiner persönlichen Haltung verwechselt):

Den ganzen Beitrag lesen…

100 000 000 000 m² weniger Wald pro Jahr

10.000 m² sind ein Hektar. Und etwa 10 Millionen Hektaren Wald gingen dieses Jahr weltweit an Wald verloren, also 100 000 000 000 m². So sehen die Zahlen aus, die die Website worldometers.info nüchtern und in Echtzeit aufbereitet.

Der Grund dafür natürlich der sich massiv ausbreitende Mensch, der sich mit mehr als doppelt so viel Geburten wie Todesfällen ausbreitet. Trotzdem sind heute schon 15.000 Menschen an Hunger gestorben, was sich schneidet mit den mehr als einer Milliarde Menschen, die an Übergewicht leiden. An Unterernährung hingegen leiden fast eine Milliarde. Ah ja, an der Finanzkrise leiden auch gerade einige. Man könnte das ja fast vergessen, wenn man die letzten Wochen die Medien aufmerksam verfolgt hat.

Ameise und Mensch: Wer wird überleben?

Die Ameisen existieren seit über 10 Millionen Generationen auf dieser Erde; uns dagegen gibt es erst seit 100000 Generationen. Sie haben sich in den letzten zwei Millionen Jahren so gut wie gar nicht weiterentwickelt, während wir in dieser Zeit die komplexeste und rasanteste Gehirnentwicklung in der ganzen Entwicklungsgeschichte durchgemacht haben. Über mehrere Jahrhunderte hinweg hat unsere kulturelle Entwicklung mit noch raketenhafterer Geschwindigkeit weitere Veränderungen herbeigeführt und dabei die Rate der biologischen Evolution um mehrere Grössenordnungen übertroffen. Wir sind die erste Art, die globalen Einfluss ausübt, das Ökosystem verändert und zerstört und selbst das Klima weltweit beeinflusst. Das Leben auf dieser Erde würde nie durch die Aktivitäten der Ameisen oder anderer wild lebender Tiere bedroht werden, egal, wie vorherrschend sie würden. Die Menschheit dagegen ist dabei, einen Grossteil der Biomasse und Artenvielfalt zu zerstören; ausgerechnet an dieser “Erfolgsrate” misst sich unsere eigene biologische Vorrangstellung.

Wenn die ganze Menschheit von der Bildfläche verschwände, würde sich der Rest, der überlebt hat, erholen und aufblühen. Das massenhafte Aussterben, wie es im Moment stattfindet, würde aufhören, und die geschädigten Ökosysteme würden sich erholen und wieder ausdehnen. Wenn alle Ameisen verschwinden würden, wäre der Effekt genau umgekehrt, und es gäbe eine Katastrophe. Der Artenschwund würde sich noch mehr beschleunigen, und die Landökosystem würden noch schneller zusammenschrumpfen, wenn die beträchtlichen ökologischen Funktionen, die diese Insekten erfüllen, wegfielen.

Die Menschheit wird ohne Frage weiterleben, genauso wie die Ameisen. Aber das Verhalten des modernen Menschen führt zu einer Verarmung der Welt; wir sind dabei, unglaublich viele Tierarten auszulöschen, und zerstören damit nachhaltig die Lebensqualität auf unserer Erde. Dieser Schaden lässt sich im Laufe der Evolution nur in Zeiträumen von mehreren Millionen Jahren wieder ganz beheben, und auch nur dann, wenn sich die Ökosysteme regenerieren können. In der Zwischenzeit sollten wir die niederen Ameisen nicht verachten, sondern uns ein Beispiel an ihnen nehmen. Zumindest noch für einige Zeit werden sie uns helfen, die Welt nach unseren Bedürfnissen im Gleichgewicht zu halten, und sie werden uns stets daran erinnern, wie schön diese Welt war, als die ersten Menschen auftauchten.

Ameisen, die Entdeckung einer faszinierenden Welt, Bert Hölldobler, Edward O. Wilson, Seite 239/240.

Blogcamp 3.0, die Slides

Wie angeregt, hier die Slides zu meiner Präsentation gestern am Blogcamp Switzerland 3.0.

Das Frauenbild im Wandel der Zeit


Women In Film from Philip Scott Johnson on Vimeo.

Death Proof Stunt im Appenzell:
Harmloser Streich mit Entlassung

In einer Dorfkneipe im Appenzell beschliesst ein junges Paar, einen Filmstunt nachzuspielen, ohne Alkoholeinfluss und ohne jemanden zu gefährden. Nun sind beide ihren Führerschein los und entlassen. Ist das nicht übertrieben?

“Roger K.” heisst der Stunt-Raser vom Appenzell, der mit seiner Freundin einen Filmstunt (hier ganz kurz zu sehen) aus dem Film Death Proof von Quentin Tarantino nachgestellt hat. So war es im Blick zu lesen und die Meinung dazu war auch sehr schnell gemacht: “Das ist einfach nur dumm!

Stimmt schon, besonders gescheit war das nicht, mit einer Frau auf der Kühlerhaube durch eine Radarfalle zu rasen.

Death Proof Stunt in Heiden
Das Radarbild des Stunts. Geblitzt wurde das Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit von 86 km/h. (Bild: KEYSTONE/KANTONSPOLIZEI APPENZELL AUSSERRHODEN)

Was war passiert? Die Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden gibt den Vorgang im Text “Riskantes Fahrmanöver” so wieder:
Den ganzen Beitrag lesen…

Deutschland, das Land …

… in dem man die Polizei anruft, wenn man ein Loch in der Strasse entdeckt.

Ausschnitt "Frankfurter Rundschau" vom 29.07.2008
Ausschnitt “Frankfurter Rundschau” vom 29.07.2008

Die Mütter vom Prenzlauer Berg

Die Mütter aus dem Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg sind berüchtigt für ihre Rücksichtslosigkeit. Natürlich nicht alle, sondern nur ein verschwindend kleiner Prozentteil. Die aber haben es in sich. Was so in einer halben Stunde alles passiert. Ein nicht-fiktiver Text, der vor einiger Zeit genau so vorgefallen ist.

Mutter und Kind, Prenzlauer Berg
Foto: Keystone, Gaetan Bally

Sind es eigentlich die Mütter von oder vom Prenzlauer Berg? Heute, als ich diesen Beitrag von Frank auf argh.de gelesen habe, erinnerte ich mich daran, dass ich dazu ja auch schon was geschrieben habe. Und dass es eigentlich keinen Grund gibt, dieses Geschreibsel jemandem vorzuenthalten.

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