Newsnetz: Mit Blogbeitrag zum Klickgewinner

Die Liste der meistgeklickten Artikel auf tagesanzeiger.ch am 28. Januar 2010 sah gegen Mittag so aus:

Screenshot tagesanzeiger.ch vom 28. Januar 2010

Auf bazonline.ch so:

Screenshot bazonline.ch vom 28. Januar 2010

Und auf derbund.ch so:

Screenshot derbund.ch vom 28. Januar 2010

Die hinter diesen Portalen steckenden Titel „Der Bund“, „Tages-Anzeiger“ und „Basler Zeitung“ sind oder gehören zu den die wichtigsten Zeitungen der Städte Bern, Zürich und Basel. Für ihre Online-Auftritte haben sie sich zum Verbund „Newsnetz – der schnellste Qualitätsjournalismus im Netz!“ zusammengeschlossen.

Interessant an der Liste ist der meistgeklickte Artikel, nämlich der iPad-Test. Es handelt sich um einen weitgehend unverändert übernommenen Blogbeitrag von gizmodo.de, gemäss Tagesanzeiger.ch/Newsnetz nicht irgendein Blog, sondern „der renommierte Technologie-Blog Gizmodo“.

Der zweitmeistgeklickte Artikel, „Die eierlegende Wollmilchsau“, ist eine iPad-Analyse von Peter Hogenkamp, einem in Zürich mit der Blogwerk AG inzwischen ganz gut bekannten Blogunternehmer (unter anderem Herausgeber von neuerdings.com oder netzwertig.com).

Man kann sich jetzt natürlich fragen, wie es um die Online-Kompetenz der Newsnetz-Redakteure steht, dass sie sich nicht selbst an Analysen und Tests wagen. Man kann sich auch fragen, ob die Schweizer wirklich nur noch interessiert, welches Luxus-Gadget sie als nächstes kaufen könnten.

Man kann aber auch einfach feststellen, dass die Portale drei grosser Schweizer Zeitungen mit einem Beitrag aus einem Fremdblog haufenweise Klicks scheffeln. Die sie dann ihren Werbekunden verkaufen. Als Qualitätsjournalismus natürlich.

Update am 28. Januar 2010, 12:45 Uhr: Und gleich ein Nachtrag. Peter Hogenkamp wurde auf dem zweiten Platz der meistgeklickten Artikel abgelöst bei Tagesanzeiger.ch. Neu belegt diesen Platz der Artikel „Sieben Dinge, die am iPad stören“. Sollte das jemandem bekannt vorkommen, dann hat er vielleicht schon „8 Dinge die uns am iPad stören“ gelesen. Auf gizmodo.de.