Monatsarchiv für November 2008

 
 

Johannes Matyassy von Präsenz Schweiz sieht die Weltwoche als “politischen Gegner”

Johannes Matyassy ist Chef von Präsenz Schweiz, eine 2000 von Bundesrat und Parlament ins Leben gerufene Organisation, die für das Image der Schweiz im Ausland (”die Präsenz der Schweiz im Ausland zu stärken und zu koordinieren. Und mit dem Ziel, ein authentisches, originelles und lebendiges Bild unseres Landes zu vermitteln”) zuständig ist.

Angegliedert ist der Betrieb dem Staat, genauer dem EDA, dem Aussenministerium. Wie, das erklärt diese Grafik (die mich auch nach längerem Studium mehr verwirrt als aufklärt).

In den FAQ von Präsenz Schweiz wird der interessierte Leser darüber aufgeklärt, es sei ein “Mythos”, dass Präsenz Schweiz über ein enormes Budget verfüge. Tatsächlich handelt es sich nur um jährlich 10 Mio. Franken.

Was viel ist und was wenig, daran scheiden sich die Geister. Eigentlich ist Präsenz Schweiz nur eine ganz kleine Organisation. Mit einem ganz kleinen Organigramm. Und zurzeit mindestens 31 meist weiblichen Mitarbeitern.

Soweit die Vorinformation. Und nun überlegen wir uns, was für “politische Gegner” eine solche Organisation haben könnte.


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“And there is a big white Harley Davidson up there with my name on it. And I know that.”


Wrestling For Jesus from Nathan Clarke on Vimeo.

Ein Experiment mit Genussmitteln


Foto: CC Flickr, Moe

Wie wirken sich Genussmittel eigentlich auf unseren Körper aus? Honoré de Balzac erzählt davon:

Ich möchte Ihnen das Ergebnis eines Londoner Experiments mitteilen, das für die uns beschäftigenden Fragen entscheidend ist und für dessen Wahrheit mir zwei glaubwürdige Leute bürgen, ein Gelehrter und ein Politiker.

Die englische Regierung hat es drei zum Tode Verurteilten freigestellt, sich entweder nach der in diesem Lande üblichen Prozedur hängen zu lassen oder sich ausschliesslich von Tee beziehungsweise von Kaffee oder Schokolade zu ernähren, ohne irgendein anderes Nahrungsmittel zu sich zu nehmen oder eine andere Flüssigkeit zu trinken. Die drei Narren akzeptierten den Handel. Vielleicht hätte jeder Verurteilte an ihrer Stelle so gehandelt. Da alle drei Lebensmittel mehr oder weniger Chancen boten, haben sie die Wahl dem Los überlassen.

Der Schokoladenmann starb nach acht Monaten.

Der Kaffeemann brachte es auf zwei Jahre.

Der Teemann verstarb erst nach drei Jahren.

Ich hege den Verdacht, dass die Indische Kompanie das Experiment im Interesse ihres Handels stimuliert hat.

Kann man Balzac die Geschichte glauben?

Ab hier bitte nur weiterlesen, wer über einigermassen starke Nerven verfügt (und das Zitat nicht mit meiner persönlichen Haltung verwechselt):

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Every sperm is needed | In your neighbourhood

Gleich zwei gute Neuigkeiten für Freunde von tiefen Lebensweisheiten, die mit fragwürdigem Humor umwickelt sind. Michèle Roten, derzeit die begabteste deutschsprachige Schreiberin ohne graue Haare, bringt eine Kolumnen-Sammlung raus. Das Buch kostet 36 Franken (etwa 27 Euro) und wird vom sympathischen Echtzeit-Verlag verkauft. Man kann die Kolumnen natürlich auch online nachlesen, aber am Laptop sitzt man ja sonst schon genug, dazu sind die Texte im Buch verschlimmbessert, hier der über herzliche Menschen.

Und dann hat das legendäre Kollektiv Monty Python eine neue, eigene YouTube-Präsenz. In einem Begrüssungsvideo beklagen sich die noch lebenden Mitglieder ausführlich darüber, wie sie seit Jahren von Raubkopierern abgezockt werden, die ihre Videos widerrechtlich bei YouTube hochladen. Davon haben sie nun genug und laden eigene Inhalte lieber selbst hoch (möchten aber dann doch gerne das eine oder andere Produkt dazu verkaufen).

Zum Beispiel mutmasslich unveröffentlichte Privataufnahmen, den Penis Song oder den musikalisch doch etwas damit verwandten, grossartigen Ohrwurm “Every Sperm is sacred” (Lyrics):


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Abt. “Früher war alles besser”

Der abtretende Bundesratssprecher Oswald Sigg konstatiert in einem Sonntag-Interview verludernde Sitten aufgrund einer wildgewordenen, rudelbildenden und einander abschreibenden Meute von Medien. Früher sei das anders gewesen.

Mitte der Siebzigerjahre erhoben sich die Journalisten noch von ihren Sitzen, wenn ein Bundesrat den Pressesaal betrat.

Weiter beklagt Sigg eine “Hetzkampagne” gegen den eben unter Blut und Tränen zurückgetreten Bundesrat Samuel Schmid:

Ausser wenigen Medienleuten habe ich niemanden angetroffen, der sich nicht über diese Hetzkampagne empört hätte.

Das mag sein. Die Schweizer sind ein sehr harmoniebedürftiges Volk. Sie mögen es weder, wenn jemand laut die Wahrheit sagt, noch, wenn jemand zu sehr ausgegrenzt wird. Im Fall Schmid waren die gegen den Bundesrat sprechenden Argumente aber einfach zu zahlreich, als dass ihn jemand (Frank A. Meyer natürlich ausgenommen) hätte verteidigen können. Es ist etwas wie bei der vergangen US-Wahl: Es finden sich kaum Argumente für McCain/Palin oder gegen Obama/Biden. Den wenigen Ausscherenden kann man immerhin einen Versuch gegen die Meinungeinfalt attestieren.


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Hussassa!

“Unpopular Swiss defense minister resigns”

Der Titel stammt von Reuters, trifft es aber nur halb.

Namensschild von Samuel Schmid (Flickr / piecoplastic)
(Bild: Flickr / piecoplastic)

Unpopulär ist der gmögige und offensichtlich gutmütige Samuel Schmid nicht, aber wohl einfach nicht geeignet für das Amt, das er die letzten Jahre ausgefüllt hat. Christoph Blocher sagte es kürzlich auf teleblocher.ch (eine Website, die heute von tagesanzeiger.ch als Blochers “Privat-Internet-TV” bezeichnet wurde - der Artikel ist bereits wieder offline. Und die es mit der heutigen Sendung immerhin zu einer Eilmeldung auf der Titelseite von nzz.ch gebracht hat).


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Andreas Gross: GsoA-Gründer will in den Krieg

Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee, kurz GSoA, wurde 1982 gegründet. Eine politische Bewegung, die, wie der Name sagt, für eine Abschaffung der schweizer Armee steht. Mitbegründer damals: der seit 1991 im Nationalrat und seit 1995 im Europarat sitzende Andreas Gross (Website: andigross.ch).

In einem Interview mit der WoZ schlägt er nun andere Töne an. Er ist sogar für Militäreinsätze der schweizer Armee, wenn nicht mal die UNO dafür ist. Auf die entsprechende Frage (”Sie wollen Auslandseinsätze ohne Uno-Mandat?”) antwortet er:

Will man Millionen Menschenleben retten, ist es nicht zu vermeiden.

Der angeblich überzeugte Pazifist sagt:

Es braucht Leute, die das Metier der Gewalt beherrschen und denen, die Gewalt anwenden wollen, zeigen, dass sie keine Chance haben, wenn sie diesen Weg gehen wollen. Das ist die Logik der Friedenseinsätze.


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