Schweiz = Geld

So einfach sieht das offenbar Michael Angele, Leiter der Kulturredaktion der Wochenzeitung „Freitag“. Über den Willen der Schweizer, weiterhin an ihrer Nation festzuhalten, schreibt er:

Ursprünglich gründet dieser Wille darin, sich gegen einen mächtigen Feind zu behaupten, jedoch – so behaupten spöttische Zungen – könne man ihn schon lange umstandslos durch „Geld“ ersetzen. Das ist übertrieben, Fakt aber scheint, dass der Wille immer öfter erlahmt.

Klar, man kann über alles diskutieren. Auch über die Auflösung der Schweiz, ein Land mit zufriedenen Bürgern, ausgebauten direktdemokratischen Rechten und keinem Krieg mehr seit 1847. Aber muss eine Steilvorlage eines Diktators derart platt aufgenommen und umgesetzt werden?

Anyway: Wie immer der Vorschlag gemeint war, die Schweiz auf die Nachbarländer aufzuteilen, er ist es Wert diskutiert zu werden.

Zum Nachdenken lädt aber vor allem die Anmerkung am Schluss des Artikels ein:

Michael Angele über die Schweiz

Was soll uns das jetzt sagen? Dass der Autor die Gedanken des Revolutionsführers überdenkenswert hält, weil er einen bestimmten Pass hat? Hätte er die Aussagen also mit einem südkoreanischen oder deutschen Pass nicht auch genau so dargelegen können? Um was für eine „Ethik“ geht es hier eigentlich?

Theaterregisseur Christoph Schlingensief beantwortet einen anderen Artikel von Michael Angele, hier, erster Kommentar.


Kommentare

7 Antworten zu „Schweiz = Geld“

  1. Das macht der Angele also jetzt? Intellektuelle provozieren? Sehr erfreut, ehrlich – vor 15 Jahren hat er bei uns in der Provinz noch die Punks provoziert, auch sehr erfolgreich.

    Höre Dir hier ‚Michael Angele, Nazis‘ an: http://www.myspace.com/calypsonowcassettes

    @Ronnie Grob: Ethik ist doch hier das Fremdwort für Disclaimer – wo ist das Problem?

  2. @ Bruder Bernhard. Freund Hotcha, das sind doch mehr als 15 Jahre!

    @ Ronnie Grob. Ist das der Medienjournalismus von heute? Ich zitiere mal mein journalistisches Vorbild Gustav Seibt, der zu einem seiner Artikel mit einem ähnlichen Kommentar konfrontiert wurde

    „Ein verstorbener, in Weisheit verwitterter FAZ-Kollege, der zuletzt dort die ‚Briefe an die Herausgeber” betreute, und also wusste, wovon er sprach, pflegte uns Jüngeren zu sagen: “Werden Sie niemals ironisch. Ironie in der Zeitung ist verboten. Und wenn sie doch sein muss, nie den Satz vorher vergessen: ‚Ein Spaßvogel würde sagen …‘ „.

    Sind wir wieder so weit?

  3. @Angeldust: Aha. „Ironie“. Nö, das versteh ich nicht. Hier hab ich das auch schon nicht verstanden. Wie ich finde: zurecht nicht. Wenn alles so klar dasteht, gibt es nicht viel misszuverstehen.

    Wenn wir schon bei Zitaten sind, dann antworte ich mit einem von Jürgen Leinemann (aus einem hervorragenden Interview):

    Die Medienwelt ist vielfältiger geworden, sehr viel schneller. Und sehr viel oberflächlicher. Ich vermisse bei vielen Journalisten eine Haltung. Damit meine ich: Ernsthaftigkeit. Für irgendetwas Besonderes einzutreten, es wichtig zu finden.

    Wobei ich überhaupt nichts dagegen habe, unernst zu sein. Aber die (mutmasslich) eigene Meinung im Nachhinein als Ironie zu verklären, find ich nicht ok.

    Und wie ist das jetzt mit der „Ethik“? Das hab ich immer noch nicht verstanden.

  4. Lieber Herr Grob,

    Ironie versteht man oder nicht. Versuche, einen Unkundigen mit der Ironie vertraut zu machen, sind in der Regel sehr aufwändig. Sie müssen sich das ungefähr so vorstellen, als müssten Sie einem Europäer den Stadtplan von Tokyo erklären.

    Bei so genannten Ethikbutton handelt es sich um den gebräuchlichen Disclamer. Er soll persönliche Verwicklungen des Autors zu seinem Gegenstand offenlegen, also zum Beispiel: Ein Autor der sich für die Belangen der Übersetzer einsetzt und zuglich im Verband der Übersetzer aktiv ist. Oder eben ein Autor der die Auflösung der Schweiz fordert, aber selbst Schweizer ist.

  5. Oder eben ein Autor der die Auflösung der Schweiz fordert, aber selbst Schweizer ist.

    Wieso wurde nicht diese Formulierung gewählt? «Hat den Schweizer Pass» klingt nach Doppelbürger.

  6. Zum Artikel von «Angeldust» – Aussagen wie «Muammar al-Gaddafi will die Schweiz auflösen. Damit befindet er sich in bester Gesellschaft» sind schlicht absurd. Ja, es gibt Schweizer, die ihr Heil in der EU suchen möchten. Aber in guter Gesellschaft befinden sie sich (häufig zum eigenen Leidwesen) zum Glück in der Schweiz nicht. Hingegen gibt es durchaus Linkspolitiker in der Schweiz, die al-Gaddafi als gute Gesesellschaft sehen, aber das ist ein anderes Thema und vermutlich keines für jemanden wie «Angeldust» …

  7. @Dust: Ho, demaskiert…. Ich meinte natürlich „15 Jahre vor dem Zeitpunkt der Aufnahme des offiziellen Porträtfotos in Freitag.hehehe“

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