“Qualitätsjournalismus” mit Newsnetz (5)

Zum 20. Geburtstag der Loveparade liefert uns tagesanzeiger.ch die neusten Erkenntnisse aus der Rubrik “Wissen”:

Screenshot Tagesanzeiger.ch
Bild: Screenshot tagesanzeiger.ch, Bildunterschrift Bild 8/8

Nach eigener Aussage ist Newsnetz, der Online-Auftritt von Schweizer Tageszeitungen wie Tages-Anzeiger, Bund, Berner Zeitung oder Basler Zeitung “der schnellste Qualitätsjournalismus im Netz”. Via Bobby auf medienspiegel.ch.

“Qualitätsjournalismus” mit Newsnetz (4)

Wer im Internet surft, sieht sie überall: In die Website eingebundene Videos von youtube.com, dem grossen Videoportal, das Google gehört. Wer bei YouTube ein Video hochlädt, kann selbst entscheiden, ob er die Möglichkeit des Einbettens des Videos zulassen möchte oder nicht.

Die “Bildstrecken”-Bearbeiter von Newsnetz kümmern sich nicht darum. Sie finden Videos auf youtube.com, speichern sie lokal ab und laden sie (in der Regel mit Qualitätseinbussen) neu hoch auf tagesanzeiger.ch. Unter den Videos platziert tagesanzeiger.ch folgende Angabe zum Copyright dieser Inhalte:

Screenshot tagesanzeiger.ch
Bild: Screenshot tagesanzeiger.ch

Wer sich davon überzeugen will, wie etwas unter eigenes Copyright gestellt werden kann, von dem nur die Videobeschreibung eine Eigenleistung ist, der sollte sich die 12-teilige Videostrecke “Eine Karriere in Videos” ansehen, die nach dem Tod von Michael Jackson erstellt wurde.

Ausnahmslos alle dieser Videos stammen von der Website youtube.com. Hier die Auflistung im Detail:

Video 1/12 (Einbetten möglich)
Video 2/12 (Einbetten auf Anfrage deaktiviert)
Video 3/12 (Einbetten auf Anfrage deaktiviert)
Video 4/12 (Einbetten auf Anfrage deaktiviert)
Video 5/12 (Einbetten möglich)
Video 6/12 (Einbetten auf Anfrage deaktiviert)
Video 7/12 (Einbetten möglich)
Video 8/12 (Einbetten möglich)
Video 9/12 (Einbetten möglich)
Video 10/12 (Einbetten auf Anfrage deaktiviert)
Video 11/12 (Einbetten möglich)
Video 12/12 (Einbetten möglich)


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Monika Maron über das Leben in der DDR

SPIEGEL: In diesem Jahr jährt sich der Mauerfall zum 20. Mal. Und plötzlich kommen einige Politiker und fragen, ob die DDR wirklich ein Unrechtsstaat war. Glauben Sie, dass viele Menschen, die in Ostdeutschland gelebt haben, ähnliche Gedanken hegen?

Maron: Wer in diesem Staat nicht viel wollte, wer nicht bestimmte Bücher lesen oder gar schreiben wollte, wer nicht ständig seine Meinung sagen wollte - und zwar öffentlich, nicht einfach nur meckern, das konnte man immer und überall, da passierte einem gar nichts -, der hat ja gar nicht so schlecht gelebt, der wurde nicht behelligt. Wer sich in dem eingerichtet hat, was war, der kann heute mit Recht sagen: “So schlecht war es ja gar nicht”, weil er, abgesehen vom Reisen und von Konsumträumen, von 15 Jahren Wartezeit auf ein armseliges Auto, von schlechten Straßen, verfallenen Städten, gar nicht an die Grenzen seiner Wünsche gestoßen ist. Wer unter Unfreiheit nicht leidet, weil er sich nach Freiheit nicht sehnt, der konnte sich irgendwie einrichten.

SPIEGEL: Und warum fällt es denen so schwer, sich auch unter den neuen Bedingungen einzurichten oder doch wenigstens zurechtzufinden?

Maron: Plötzlich mussten die Menschen eine Ungleichheit ertragen, die es so vorher nicht gab. Sie haben nicht gelernt, damit zu leben. Man konnte alles, auch eine scheiternde Ehe, auf den Staat schieben. Du hast keine größere Wohnung bekommen, und darum ist die Ehe kaputtgegangen. Du bist ein begnadeter Dichter, aber niemand druckt dich. Plötzlich ist dieser Staat weg, du bekommst eine größere Wohnung, aber die Ehe funktioniert immer noch nicht. Mit den Gedichten wird es auch nichts. Du musst plötzlich die Verantwortung für dein Scheitern übernehmen, du kannst niemandem mehr die Schuld geben. Und dann siehst du, der Nachbar schafft es, du aber nicht, das kann ja nicht gerecht zugehen.

Aus einem Interview mit Monika Maron, Spiegel vom 15. Juni 2009, Seite 138

“Qualitätsjournalismus” mit Newsnetz (3)

In einem Artikel auf tagesanzeiger.ch mit dem Titel “Propagandaschlacht um eine Tote” ist folgender Abschnitt zu lesen:

So trug der einstige designierte Schah von Persien, Reza Pahlewi ein Bild der Toten in der Tasche seines Jacketts, als er Anfang der Woche im Washingtoner Exil vor die Medien trat. «Ich habe Neda der Liste meiner Töchter hinzugefügt. Sie ist jetzt für immer in meiner Hemdtasche», sagte er mit grossem Pathos in die Kameras.

Auch John McCain gedachte ihr im amerikanischen Senat, auf dessen Gängen 1951 der Sturz der ersten demokratischen Regierung des Irans beschlossen wurde. «Sie ist wie die Johanna von Orléans», sagte McCain. «Heute gedenkt ganz Amerika dieser mutigen jungen Frau, die nur ihre fundamentalen Menschenrechte ausüben wollte und auf den Strassen Teherans gestorben ist.»

In diesen beiden Absätzen ist so gut wie nichts richtig. Etwas weniger falsch sind diese beiden Absätze. Sie erschienen auf der Website alles-schallundrauch.blogspot.com, einem politischen Blog, hinter dem ein “Freeman” aus dem schweizerischen Arth steht:

So trug Reza Pahlewi ein Bild der Toten in der Tasche seines Jacketts, als er am Montag in Washington vor die Medien trat. “Ich habe Neda der Liste meiner Töchter hinzugefügt. Sie ist jetzt für immer in meiner Hemdtasche”, sagte er mit grossem Pathos in die Kameras.

Auch John McCain gedachte ihr im amerikanischen Senat, genau der Senat welcher der CIA den Auftrag gab die demokratisch gewählte iranische Regierung 1953 zu stürzen. “Sie ist wie die Johanna von Orléans”, sagte McCain. “Heute gedenkt ganz Amerika dieser mutigen jungen Frau, die nur ihre fundamentalen Menschenrechte ausüben wollte und auf den Strassen Teherans gestorben ist.”

Publiziert wurden die beiden Artikel gemäss den Zeitstempeln am selben Tag, der auf Alles Schall und Rauch am 24. Juni 2009, um 00:05 Uhr, der des Tages-Anzeigers am 24. Juni 2009, um 08:18 Uhr (wurde inzwischen auf 14:02 Uhr abgeändert). Zu den Details:


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“Qualitätsjournalismus” mit Newsnetz (2)

Screenshot tagesanzeiger.ch Michael Jackson
Bild: Screenshot tagesanzeiger.ch. Stabilo Boss: Ronnie Grob

Irgendwas an dieser Rechnung auf tagesanzeiger.ch geht nicht auf. 6 Brüder, 3 Schwestern, das müsste 9 Kinder geben. Ursprünglich waren es, glaubt man den Einträgen bei Wikipedia, sogar 10, Brandon Jackson verstarb bei der Geburt.

Nach eigener Aussage ist Newsnetz, der Online-Auftritt von Schweizer Tageszeitungen wie Tages-Anzeiger, Bund, Berner Zeitung oder Basler Zeitung “der schnellste Qualitätsjournalismus im Netz”. Danke an David für den Kommentar.

Keine jungen Frauen in Deutschlands Osten

Es gibt viele demografische Bomben, hier eine davon:

deutschland-frauenanteil-im-osten
Bild: Screenshot pdf-File auf bmvbs.de, Seite 20

Die Grafik zeigt die Anzahl Frauen je 100 Männer in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen 2007. In den dunkelvioletten Regionen kommen weniger als 82 Frauen auf 100 Männer, in den dunkelblauen mehr als 106 Frauen auf 100 Männer.

Die gesamte Studie Studie trägt den Titel “Demografischer Wandel - Ein Politikvorschlag unter besonderer Berücksichtigung der neuen Länder” (pdf-File, 1485 kb) und ist inklusive einer Stellungnahme auf der Website des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zu finden.

“Qualitätsjournalismus” mit Newsnetz

Guido Mingels, über den Daniel Erk gestern bei stefan-niggemeier.de schrieb, ist seit 2007 “stv. Chefredaktor des ‘Magazins’”, wie tagesanzeiger.ch heute ganz richtig schreibt. Eigentlich müsste das tagesanzeiger.ch auch wissen, denn schliesslich liegt das “Magazin” jeweils am Samstag den Zeitungen “Tages-Anzeiger”, “Basler Zeitung”, “Berner Zeitung BZ” und dem “Solothurner Tagblatt” bei (Mediadaten).

Gestern abend hing da noch ein weiterer Satz dran.

Guido und Annette Mingels beim Newsnetz
Bild: Screenshot tagesanzeiger.ch. Stabilo Boss: Ronnie Grob

Nach eigener Aussage ist Newsnetz, der Online-Auftritt von Schweizer Tageszeitungen wie Tages-Anzeiger, Bund, Berner Zeitung oder Basler Zeitung “der schnellste Qualitätsjournalismus im Netz”.

Das Ende der Medienindustrie - sind unsere Journalisten noch zu retten?

Ein Besuch beim Mediendisput “Das Ende des Journalismus - Ist unsere Mediendemokratie noch zu retten?” in den Berliner Ministergärten.

Nach der Veranstaltung standen die Leute in Grüppchen herum. Die einen nervten sich über den Unsinn, der immer noch verbreitet werde über das angebliche Ende des papierlosen Büros. Die anderen sagten einfach nur “Schrecklich!”, “Fürchterlich!”, “Wie vor 15 Jahren!”. Und meinten damit die eben zu Ende gegangene Podiumsdiskussion.

Auf dem erhöhten Podium, hinter dem (in dieser Reihenfolge) eine gigantische Glasscheibe, ein adrett geschnittener Rasen, eine Willy-Brandt-Statue, einige Gebäude und Bäume und viel blauer Himmel zu sehen war, sassen

- Wolfgang Blau (Chefredakteur “Zeit Online”)
Zitat des Abends: “Es ist ein Fehler, die Marken online boulevardesk aufzustellen.”

- Stephan-Andreas Casdorff (Chefredakteur “Der Tagesspiegel”)
Zitat des Abends: “Die Zeitung verführt zum Lesen.”

- Brigitte Fehrle (Stellv. Chefredakteurin “Berliner Zeitung”)
Zitat des Abends: “Ich nenne es nicht Hysterisierung, ich nenne es gepflegte Aufgeregtheit.”

- Hans-Juergen Jakobs (Chefredakteur “sueddeutsche.de”)
Zitat des Abends: “Wir müssen bestrebt sein, Qualitätsjournalismus zu erhalten.”

- Frank A. Meyer (Chefpublizist Ringier Verlag)
Zitat des Abends: “In der Tageszeitung findet man, was man nicht sucht.”

- Mario Sixtus (Blogger “Der Elektrische Reporter”)
Zitat des Abends: “Journalismus ist eine Tätigkeit, die kein Geschäftsmodell eingebaut hat.”

und in der Rundenmitte Gesprächsführer Thomas Leif, der die grösste Mühe hatte, seine eigene Wichtigkeit im Zaume zu halten.


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Der Vollblutjournalist im Jahr 2009

Margrit Sprecher (Jahrgang 1936) liefert in der Zeit ein wunderbares, leider zu wahres Portrait des Vollblutjournalisten.

Es handelt sich um einen, der bedingungslos für die Qualität eintritt, aber kaum mehr Platz in den Verlagen von heute findet, denn “der Boss braucht keine Stars in seiner Truppe. Er braucht Textarbeiter.”

Er ist überhaupt kein Star. Er gilt als ein Borderliner, dem “die wirtschaftliche Lage des Blattes egal ist”:

Am glücklichsten werden die Gewieften, die zu wenig dumm und zu wenig gescheit sind, um auffallen zu können. Wer diesen courant normal durchbricht, weil er nicht anders kann, fühlt sich bald wie eine Platane im Schrebergarten: Er fordert unverschämt viel Raum und liefert weder Äpfel noch Kartoffeln.

Noch schlimmer ist, dass nichts, was Vollblutjournalisten zu bieten haben, noch geschätzt wird. Die Hartnäckigkeit und die Gründlichkeit, mit der sie ein Thema verfolgen, kosten zu viel Zeit und zu viel Geld. Die Haltung, die sie dabei an den Tag legen, ist lästig, ihr sprachliches Können überflüssig.

(via Journalistenschredder)

Wie sich der Westen selbst zerstört

Die hiesige Wirtschaft befindet sich in einer kritischen Situation. Die rechten Politiker beschwören unseren Patriotismus, die linken Politiker beschwören unsere Solidarität. Doch unter dem Motto “Geiz ist geil” strömen sehr viele von uns zu den grossen Discountern, die ihre Mitarbeiter antreiben, überwachen, unterbezahlen. Ihre Produkte sind oft aus Billiglohnländern wie China, es ist Massenware, und je mehr wir kaufen, desto grösser wird das Einkaufsvolumen dieser Firmen. Es wächst damit die Wirtschaft in den Billiglohnländern, die hiesigen Traditionsunternehmen (zum Beispiel Schiesser oder Märklin) müssen schliessen.


Bild: CC Flickr meine erde

Wir zahlen dabei vor allem die Dienstleistung der Discounter, also den Transport und den Vertrieb der Ware sowie die teilweise ausgebeuteten Mitarbeiter in den grossen Hallen der Vorort-Industriegebiete. Ein Paar Schuhe nämlich, egal welche Marke, egal welche Grösse, kostet in China kaum mehr als einen Euro an Produktionskosten (1 Euro, das sind 50 Cent pro Schuh).


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